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|---|---|---|---|---|---|---|
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Und also heiß ihn seiner Stunde warten,
da er den Tod gebären wird, den Herrn:
allein und rauschend wie ein großer Garten
und ein Versammelter aus fern. Das letzte Zeichen laß an uns geschehen,
erscheine in der Krone deiner Kraft,
und gib uns jetzt (nach aller Weiber Wehen)
des Menschen ernste Mutterschaft. Erfülle, du... | 2,149 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_200 | 367 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Sie kommen auch zu Beeten und Alleen --:
Denn Gärten sind, -- von Königen gebaut,
die eine kleine Zeit sich drin vergnügten
mit jungen Frauen, welche Blumen fügten
zu ihres Lachens wunderlichem Laut. Sie hielten diese müden Parke wach;
sie flüsterten wie Lüfte in den Büschen,
sie leuchteten in Pelzen und in Plüschen... | 2,287 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_201 | 366 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Nicht wie die Ersten alter Handelshäfen,
die sorgten, wie sie ihre Wirklichkeit
mit Bildern ohnegleichen überträfen
und ihre Bilder wieder mit der Zeit;
und die in ihres goldnen Mantels Stadt
zusammgefaltet waren wie ein Blatt,
nur leise atmend mit den weißen Schläfen ... Das waren Reiche, die das Leben zwangen
unendli... | 2,030 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_202 | 349 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Und was sind Vögel gegen dich, die frieren,
was ist ein Hund, der tagelang nicht fraß,
und was ist gegen dich das Sichverlieren,
das stille lange Traurigsein von Tieren,
die man als Eingefangene vergaß? Und alle Armen in den Nachtasylen,
was sind sie gegen dich und deine Not? Sie sind nur kleine Steine, keine Mühlen,
a... | 2,303 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_203 | 390 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Ihr Mund ist wie der Mund an einer Büste,
der nie erklang und atmete und küßte
und doch aus einem Leben, das verging,
das alles, weise eingeformt, empfing,
und sich nun wölbt, als ob er alles wüßte --
und doch nur Gleichnis ist und Stein und Ding ... Und ihre Stimme kommt von ferneher
und ist vor Sonnenaufgang aufgebro... | 2,091 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_204 | 364 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Des Armen Haus ist wie ein Altarschrein,
drin wandelt sich das Ewige zur Speise,
und wenn der Abend kommt, so kehrt es leise
zu sich zurück in einem weiten Kreise
und geht voll Nachklang langsam in sich ein. Des Armen Haus ist wie ein Altarschrein. Des Armen Haus ist wie des Kindes Hand. Sie nimmt nicht, was Erwachsene... | 2,148 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_205 | 375 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Der Innigste und Liebendste von allen,
der kam und lebte wie ein junges Jahr;
der braune Bruder deiner Nachtigallen,
in dem ein Wundern und ein Wohlgefallen
und ein Entzücken an der Erde war. Denn er war keiner von den immer Müdern,
die freudeloser werden nach und nach,
mit kleinen Blumen wie mit kleinen Brüdern
ging e... | 1,922 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_206 | 330 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Die Versanfänge
_Erstes Buch:_ Das Buch vom mönchischen Leben (1899)
Da neigt sich die Stunde und rührt mich an 7
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen 7
Ich habe viele Brüder in Soutanen 8
Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen ... | 2,908 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_207 | 357 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Die Türen fallen 32
Du bist der Tiefste, welcher ragte 33
Ich weiß: Du bist der Rätselhafte 33
So ist mein Tagwerk, über dem 34
Ihr vielen unbestürmten Städte 35
Ich komme aus me... | 3,476 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_208 | 396 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Von den harten Lagern 74
Jetzt reifen schon die roten Berberitzen 78
Du mußt nicht bangen, Gott 78
In tiefen Nächten grab ich dich, du Schatz 80
_Drittes Buch:_ Das Buch von der Armut und vom Tode (1903)
Vielleicht, daß ... | 3,018 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_209 | 398 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | 80: Denn alle Uberflüsse -> Überflüsse
p. 86: zehn ihnen leise eine Weile nach -> gehn
p. Creating the works from public domain print editions means that no
one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
(and you!) can copy and distribute it in the United States without
permission and without payi... | 2,245 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_210 | 384 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
electronic work, or any part of this electronic work, without
prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
active links or immediate access to the full terms of the Project
Gutenberg-tm License. 1.E.6. You may convert to and distrib... | 2,439 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_211 | 397 |
24288-8-2 | Gutenberg | 8,413 | If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem. 1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING B... | 2,252 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_212 | 347 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Langkau and the Online
Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
Franziska Mann
Die Stufe
Fragment einer Liebe
[Abbildung: Mosaik Verlag]
Im Mosaik Verlag zu Berlin
1922
_Mosaik-Bücher * Band 3_
Dieses Buch wurde für die _Mosaik Verlag_ G.m.b.H. bei Gebrüder
Rennert in Berli... | 2,633 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_213 | 397 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Für das Glück der
Vielen war ich nie geschaffen. Vielleicht vermochte ich Einigen die
Kraft zur Einsamkeit zu stärken; vielleicht lehrte ich Einige sich
selbst kennen zu lernen, half ihnen, eine andere Lebensresonanz zu
erlauschen. Ich vergaß nie, daß ich nicht mehr werden konnte als ein
Mörtelträger: sein Schloß kann ... | 2,512 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_214 | 395 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Mir geht es wie
dem Künstler, der sich in immer neue Gebilde verliert, die seine
schaffenstrunkene Phantasie formt. Kommt doch auch für ihn so
überraschend schnell eine Zeit, in der er ohne Extase vor einer
Schöpfung steht, die einmal Inhalt all seines Denkens und Fühlens
gewesen ist. Ihm selbst unergründliche Gewalten... | 2,623 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_215 | 394 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Wie immer es auch kommen mag! Sie
lächeln: »Kommen mag?« Was sollte zwischen Ihnen und mir, der immer nur
Einer zwischen Vielen war, kommen? Nichts an mir berechtigte je zu
besonderen Hoffnungen, eher wohl zu besonderen Sorgen. Da waren meine
fünf Brüder ganz andere Kerle, begabt und draufgängerisch. Die erste Tat
in m... | 2,204 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_216 | 343 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | In den wenigen Monaten hier habe ich endlich erkannt, daß
in der Wissenschaft, in der Kunst _der_ sehr viel weniger gilt, der
Besonderes zuerst sagte, als _der_, welcher sich als Erster mutig Gehör
zu schaffen verstand, und so weiß ich nicht mehr mit Bestimmtheit, ob
sich unter meiner Gebundenheit nicht doch etwas rege... | 2,427 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_217 | 386 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Sie werden zu verstehen versuchen, wie es gekommen ist, daß ich mich so
früh mit einem ungelebten Leben abfand. Vererbung, Erziehung,
Lebensumstände mögen die Sklavenhalter gewesen sein, die gelassen zu
Tode peitschen wollten, was nicht stark genug in mir war, sich jubelnd
aus der kläglichen Gebundenheit zu befreien. N... | 2,475 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_218 | 393 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Zwar sagten Sie mir: »Auch
die Schmerzen, die mir durch Sie kommen, will ich segnen.« Aber, großes
Kind, Schmerzen sind schwer, ach, sehr schwer zu segnen. Deshalb
erinnere ich wieder und wieder an mein erstes Warnen und an -- meine
Jahre. Trotzdem kann ich nicht das »wir« streichen, gehören ja auch Sie
zu jener kleine... | 2,382 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_219 | 387 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Sie wissen ja
nicht, was es in sich schließt, dieses: »nur Sie«, was es bedeutet, nur
einen einzigen Menschen zu haben. Ihre Stimme ist die erste
_menschliche_ Stimme gewesen, die ich in meinem Alleinsein je vernommen
habe: Verschollene Möglichkeiten aus den Tagen meiner Kindheit richten
sich auf, Möglichkeiten, die me... | 2,523 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_220 | 396 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Wenn Liebe die größte Steigerung der in uns ruhenden Kräfte und
Möglichkeiten schafft, dann -- erwidere ich Ihre Liebe. Ich sage Ihnen
dies ganz ruhig, nur wie die Feststellung einer Tatsache. Hoffen Sie
nicht, daß ich mich Ihnen wie eine Lebensanfängerin in die Arme stürzen
werde. Nein, an Ihnen vorbei will ich mich _... | 2,545 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_221 | 399 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Nur während der Pausen, in denen er diesen
Schaffensrausch für erstorben und erstickt hält, vermag er mit den
anderen Schritt zu halten, die besser, viel besser sein können als er,
die er lieben und bewundern mag, und von denen ihn doch sein Anderssein
trennt, vor denen er oft geradezu auf der Flucht sein muß, wenn er
... | 2,645 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_222 | 396 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Erinnern Sie sich, daß ich jüngst von den eckigen Worten sprach, von der
unvollkommenen Form für ein so gewaltiges Empfinden, wie das meinige für
Sie? Wäre es möglich, daß ich, ohne es zu wissen, im Besitz jener Form
gewesen bin? Ich vermag dieses Glück nicht durchzudenken; ich darf diese
Vorstellung nicht nähren, sie ... | 2,458 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_223 | 399 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Das von dem
veränderten Weltbilde mußte ich Dir also berichten. Dagegen halte ich es
für gefährlich (ich meine niederziehend) über jeden alltäglichen
Kleinkram und Kleinkrieg miteinander zu sprechen. Dergleichen schweigt
man tot, redet es nicht »lebendig.«
Oft ist unser Gespräch tief in die Tage Deiner frühen Jugend g... | 2,641 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_224 | 388 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Und doch verdanke ich diesen paar
rascheren Herzensstößen eine nicht zu erschütternde Siegesstimmung für
beschattete spätere Tagesstunden. Konnte ich Dir trotzdem gestern
erklären, daß dieses _häufige_ Schreiben »nicht nötig« sei? Ich
widerrufe, -- ach, wie viel von meiner trügerischen »Abgeklärtheit« habe
ich zu wider... | 2,534 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_225 | 385 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Maria, vielleicht doch _Deine_ Maria? _Roland an Maria._
Maria, wie hat Dein Brief mich beseelt. Ich lebe nur ganz in der
Gegenwart; in dieser Fähigkeit entdeckte ich das Geheimnis der
Lebenskunst. Ich glaube, Cromwell war's, welcher ausrief: »Der kommt am
weitesten, der nicht weiß, wohin er geht.« Die Vergangenheit ... | 2,518 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_226 | 397 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Du schliefst, bist erwacht, bist entfesselt; Dein Leben beginnt. Was
konntest _Du_ von der _Welt_ verlangen, solange Du selbst nicht bereit
warst, _Dich_ ihr zu geben? Nun bist Du bereit, das verändert alles. Aber, daß Deine dichtende Seele sich immer wieder nur mir zuwendet,
ist eine Gefahr für uns beide, und doch ist... | 2,417 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_227 | 397 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Du jedoch, deren Antwort immer nur
ein »damals, ja damals« war, Du _lächelst_ --?«
»Das wundert Dich, Strahl, der Du das Licht zu sein glaubst? Fühlst Du
denn nicht, daß jedes »damals« von einem Besitz -- einer Wonne -- einer
Seligkeit -- einem Vertrauen -- einem Glauben -- einer Stärke zeugt? Und
ich sollte nicht läc... | 2,347 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_228 | 385 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | In meiner Brust muß »es« doch gewesen sein, weshalb
konnte ich es nicht allein aus den Schalen schlagen, in die es sich
verkapselt hatte? Wie konnte ich mich so gelassen in die trostlosen
Willkürlichkeiten des Alltags finden? Kunst! Kunst! Mit welchem Recht weise ich die Vorstellung nicht mehr wie
Einfältigkeit oder Wa... | 2,487 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_229 | 396 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Was wußtest Du denn mit Bestimmtheit? Etwa, daß
_ich_ Dir eine neue Brücke für die Zukunft werden könnte, ich, der
Unbelebtesten einer? Du süße Warnerin wußtest ja auch nicht aus eigener
Erfahrung, daß Liebe das Rätselvollste ist und mit der Bedeutung oder
dem Wert dessen, was der andere ist, nicht im Zusammenhange ste... | 2,381 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_230 | 375 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Mein Weg zu Dir -- wie den ich deuten soll? Von bunten Blüten ist er übervoll,
Die leuchten, wo mein Fuß auch immer schreitet,
Und goldner Glanz ist über sie gebreitet. Kein nüchternes und graues Häusermeer
Seh ich auf meinem Wege um mich her:
Umspielt ist alles rings von lichtem Schimmer --
Die Menschen, die... | 2,465 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_231 | 397 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Und wolle, wenn es Dein Los sein soll, unterzugehen,
-- tausendmal lieber im Kampfe um die Kunst fallen, denn im Kampfe mit
dem dürren Leben. Den immer Korrekten, immer Nüchternen sind _wir_ nur seltsam -- uns
erscheinen _sie_ armselig; _wir_ schauen Verborgenes, von dem _sie_
nichts sehen oder nichts sehen wollen. _Wi... | 2,361 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_232 | 380 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | --
In den Tagen, die mich Dir fernhielten, waren meine Gedanken fessellos
wie schwebende Adler, meine Empfindungen berauscht, als schritte ich auf
blühenden Hyazinthenfeldern dahin. »Dank Dir, mein Gott, der Du Wunder
tust,« tönte es in mir. »Wochen, Monde, Jahre war ich unjung in meiner
vermeintlichen Gefestigtheit. ... | 2,371 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_233 | 377 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Wirst Du, aller Frauen
geliebteste, einen verhöhnten Freund nicht verlassen? Hättest Du vorher gewußt, welche Geister Du in dem schweigsamen Menschen
wachzurufen vermochtest, der fremd und hilflos wie ein Kind auf jenem
Feste einige Minuten zufällig an Deine Seite geschoben wurde, hättest Du
auch dann, weil Du ihn _för... | 2,541 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_234 | 391 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Ich erwähne dies nicht etwa als eine mir von _eigenen_
Gnaden zugebilligte höhere Moral. --
Gestern starb in meinem Hause ein alter Mann nach langem, viel, viel zu
langem Siechtum. »Der Tod hat mich vergessen«, seufzte er, als ich ihn
zum letzten Male besuchte. Ich lege Dir einige Blätter ein; lies, welche
Gedanken se... | 2,398 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_235 | 378 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Tag und
Nacht murmelten ihre schmalen Lippen: »Vergessen vom Tode -- vergessen
vom Tode!«
Gleichgültig kamen die Jahre; gleichgültig gingen die Winter an den
Alten vorüber. Kein Lenz ließ ihnen etwas erblühen; kein Sommer lachte
ihnen. Herbst kam und Herbst ging; die Greise blieben. Einstmals konnten Menschen, deren L... | 2,640 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_236 | 389 |
21115-8-1 | Gutenberg | 9,998 | Grauen vor dem Frühling erfüllte die Menschen, dessen Süße Leben
spendet, dessen Atem befruchtet. Immer freudearmer wurde die Erde; nur Kinder lächelten. Die Gedanken
aller Erfahrenen schienen einem einzigen Ziele zugewandt: Dem
Wiedererscheinen, der Rückkehr des Todes. Was bedeuteten die Tränen
jener Zeiten, da man ih... | 2,465 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_237 | 377 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Wann wirst Du mir einen Tag bescheren, einen vollen, ganzen Tag? Ich mag
nicht immer »vornehm geartet« sein. Roland, nur Dein Roland. _Maria an Roland._
Liebster, tagelang vergaß ich, mich zu fragen, ob die unsichtbare
Verkettung, die uns bindet, berechtigt oder unberechtigt sei. Liegt aber
nicht schon in dem Ausdruc... | 2,394 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_238 | 364 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Was wird übrig bleiben oder entstanden sein,
was geboren oder getötet, was wird sich aus dieser beglückenden
Verwirrtheit herauskristallisieren? Nie mehr kann ich in die Welt
zurückfinden, die ich verließ, oder aus der mich eine fremde Macht
stieß. Ja, Du ein Anderer -- ich eine Andere, die vollgesogen ist von
vielleic... | 2,487 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_239 | 389 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Mochte ich
auch suchend Umschau halten, daran war nichts zu ändern, daß diese
flachen, noch in ziemlicher Nähe einem Kartoffelfeld gleichenden Felder
meiner Rosen Heimatboden waren. Gewiß, ich hatte einen besonders
ungeeigneten Tag getroffen; der zu heftige Regen der vorherigen Tage
mochte wohl der Felder Aussehen gesc... | 2,503 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_240 | 385 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Nur ein Hauch dringt ja bis zum Anderen, denn -- ob mündlich oder
schriftlich -- es gelingt doch nie, sich ganz mitzuteilen. Weder in
Briefen, noch in Werken sind wir wirklich restlos die, die wir für den
anderen sein möchten. Ich muß jetzt auf der Hut vor mir selber sein, weil ich merke, daß sich
etwas wie Hang zum Sp... | 2,510 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_241 | 399 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Du mußt nicht
immer an die Zahl meiner Jahre denken, nicht glauben, daß tiefstes
Einfühlen in die Seelen der Enterbten, Gesunkenen nur der Frau eigen
sei. Ueberhaupt werden männliche und weibliche Eigenschaften viel zu
kraß getrennt. Eine Frau mit sogenannten nur weiblichen Tugenden, ein
Mann mit Eigenschaften, die wir... | 2,376 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_242 | 373 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Ueberlegenheit, wie Du sie mir andichtest, scheint Wandlung -- geistige
und seelische -- auszuschließen; Du aber mußt doch wissen, daß ich
gerade in den letzten Wochen dahin gekommen bin, mich freudig auch
Irrtümern zu unterwerfen. Daß jeder Tag bereit sein könnte, den
vorherigen zu verneinen, übersieht unsere seltsame... | 2,533 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_243 | 390 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Jetzt erfüllt mich oft nichts als das Verlangen, mich wie ein Kind
schluchzend über den Schoß einer Mutter beugen zu dürfen. Da siehst Du, Geliebter, wie es um meine Abgeklärtheit bestellt ist. Wie
wenig bin ich. Oder wuchs ich dennoch vielleicht durch das große Gefühl
für Dich? Deine Maria. _Roland an Maria._
Maria,... | 2,443 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_244 | 390 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Du siehst in
meinen Versen heute das unzulängliche Ergebnis dieses Zwiespalts. Nie möchte ich in alltäglichem Sinne mit Dir verbunden sein; nur das
Vollkommenste meines Wesens darf Dich berühren, immer sollst Du mir
heilig bleiben. Maria, Maria, fängt das Leben schon an, mich in ein Chaos zu stürzen, in
dem es von ewig... | 2,450 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_245 | 384 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Auch ohne Sekt wären wir berauscht gewesen, aber wir hatten beide die
kindliche Vorstellung, irgend etwas müsse äußerlich zur Feier mitdienen. Von keinen Schwierigkeiten haben wir mehr gewußt; wir gaben uns ganz
einem Zauber hin, dem wir uns nicht zu entreißen vermochten. Auch mein
Blut begann zu singen. In Deinen Auge... | 2,555 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_246 | 393 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Du hältst Dich für alle
Fälle gewappnet. Mir scheint, für Niederlagen ist man nie genügend oder
richtig gewappnet, aber trotzdem -- so oft Du jetzt von »verblödetem
Publikum«, von »nichtssagender Presse« sprichst, steht Dir auch das. Oft
sehe ich Dich, Du weißt es ja, nur stumm staunend an. In den Tiefen Deiner Seele, ... | 2,493 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_247 | 380 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Nennen sie Dich nach der
ersten Aufführung »eine Hoffnung«, so wirst Du beim zweiten Stück diese
Hoffnung »nicht erfüllt« haben. Hob Dich Dein erster Schritt in die
Oeffentlichkeit gleich auf eine ansehnliche Höhe, so verzeichnet man
beim folgenden sicher »keinen Fortschritt«. --
Auch heute können wir uns nicht sehen;... | 2,550 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_248 | 394 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Wäre nur Eitelkeit die Ursache des Peinigenden,
so hielte ich mich für ein Gänschen in landläufigem Sinne, und ich
selbst wüßte jenes reißende Wehgefühl nicht in Einklang mit dem Grundton
meines Wesens zu bringen. Doch die Minute, in der das: »ich freue mich,
-- Ihre Frau Mutter« -- vernehmbar war, genügte, um die Frag... | 2,538 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_249 | 393 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Ich belächelte mich, aber -- ich ging nicht
weiter zu anderen Freunden. »Besuchen Sie mich,« sagte ich gelassen und
sorglos. In der Sekunde warst Du, Roland, mir ein Ziel geworden, -- wieder einmal
zwang es mich, Menschenbildner werden zu wollen. Mit welchem Ergebnis? Nimmer konnte ich diese seelischen Wandlungen, dies... | 2,637 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_250 | 398 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Sie wollen vorher mit
zuverlässiger Sicherheit wissen, wann sie fehl gehen könnten, und wann
es ihr gutes Recht ist, auf eigne Art »Mensch« zu werden. Ohne
Verletzungen möchten sie hinaus und hinauf. Krisen erschrecken sie. Für alle Zeit trägst Du nun ein starkes Lebensempfinden in Dir, und wie
immer Deine äußere Bahn ... | 2,481 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_251 | 392 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Nun ist's mir wieder
eingefallen, ohne Bitterkeit, ohne Erschrecken, ohne die Absicht, irgend
jemanden zur Rechenschaft dafür ziehen zu wollen. Am wenigsten Dich,
geliebter Junge. Nichts ist jetzt notwendig als ein festes Herz. Seltsam, welche Fülle
von Forderungen wir gerade an diesen kleinen Muskel stellen, den wir
u... | 2,421 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_252 | 376 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | _Heute_ glaube ich
hellsehend zu sein; schon in einer Woche könnte ich mich betrügen und
all dieses für einen Anfall von Schwermut halten, der _glücklich_
überwunden ist. Nein, schnell muß ich handeln, auch wenn ich inmitten
meiner raschen Reisevorbereitungen wieder und wieder plötzlich nur an
»zerstörende Sinnlosigkei... | 2,581 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_253 | 393 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Laß uns unsere Liebe
unverwundbar gestalten, laß uns zum _höheren_ Glück emporklimmen. Am
Firmament bleiben Dir strahlende Lichtfunken. Sehnsucht ist Glanz auch
in sternenlosen Nächten. Oder sollte all dies dennoch Phantasterei sein? Selbstmord? Uebertreibe
ich? Irre ich in der Voraussetzung, daß durch meine Selbstbesi... | 2,675 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_254 | 397 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | Jetzt begreife ich auch sie. Nachdem mein Entschluß gefaßt war, konnte
ich in seltsamer Ueberlegung ordnen, was geordnet sein mußte. Ich handle aus Naturnotwendigkeit, aus dem, was meiner Natur notwendig
erscheint. Ob falsch, ob richtig, kann nicht mehr das Entscheidende
sein; nicht ob ich göttlichen oder menschlichen ... | 2,550 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_255 | 389 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | --
Unser Leidensweg führt durch die Seele, aber der unserer tiefsten
Erkenntnisse, die aufwärts tragen wollen, auch. _Ich hatte Angst vor dem kleinen Glück_, aber Menschen, in denen diese
Angst nicht zu überwinden ist, müssen hart sein können -- hart gegen
sich und hart gegen die, welche sie am meisten zu lieben glaube... | 2,593 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_256 | 387 |
21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
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21115-8-2 | Gutenberg | 8,496 | LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
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7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | This header should be the first thing seen when viewing this Project
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how the file may be used. Menschliches, Allzumenschliches
Ein Buch ... | 2,368 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_259 | 351 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Wie? Alles nur - menschlich-allzumenschlich? Mit diesem
Seufzer komme man aus meinen Schriften heraus, nicht ohne eine Art
Scheu und Misstrauen selbst gegen die Moral, ja nicht übel versucht
und ermuthigt, einmal den Fürsprecher der schlimmsten Dinge zu machen:
wie als ob sie vielleicht nur die bestverleumdeten seien? ... | 1,823 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_260 | 272 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Vielleicht, dass man mir in diesem Betrachte
mancherlei "Kunst", mancherlei feinere Falschmünzerei vorrücken
könnte: zum Beispiel, dass ich wissentlich-willentlich die Augen vor
Schopenhauer's blindem Willen zur Moral zugemacht hätte, zu einer
Zeit, wo ich über Moral schon hellsichtig genug war; insgleichen dass
ich mi... | 2,473 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_261 | 378 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Man darf vermuthen, dass ein Geist, in dem der Typus "freier Geist"
einmal bis zur Vollkommenheit reif und süss werden soll, sein
entscheidendes Ereigniss in einer grossen Loslösung gehabt hat, und
dass er vorher um so mehr ein gebundener Geist war und für immer an
seine Ecke und Säule gefesselt schien. Was bindet am f... | 2,185 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_262 | 329 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Sie ist eine Krankheit zugleich,
die den Menschen zerstören kann, dieser erste Ausbruch von Kraft und
Willen zur Selbstbestimmung, Selbst-Werthsetzung, dieser Wille zum
freien Willen: und wie viel Krankheit drückt sich an den wilden
Versuchen und Seltsamkeiten aus, mit denen der Befreite, Losgelöste
sich nunmehr seine ... | 1,606 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_263 | 246 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Von dieser krankhaften Vereinsamung, von der Wüste solcher
Versuchs-Jahre ist der Weg noch weit bis zu jener ungeheuren
überströmenden Sicherheit und Gesundheit, welche der Krankheit
selbst nicht entrathen mag, als eines Mittels und Angelhakens der
Erkenntniss, bis zu jener reifen Freiheit des Geistes, welche
ebensoseh... | 2,511 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_264 | 374 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Er ist verwundert und sitzt stille: wo war er doch? Diese nahen und nächsten Dinge: wie scheinen sie ihm verwandelt! welchen Flaum und Zauber haben sie inzwischen bekommen! Er blickt
dankbar zurück, - dankbar seiner Wanderschaft, seiner Härte und
Selbstentfremdung, seinen Fernblicken und Vogelflügen in kalte Höhen. Wie... | 2,447 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_265 | 383 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Du solltest das
Perspektivische in jeder Werthschätzung begreifen lernen - die
Verschiebung, Verzerrung und scheinbare Teleologie der Horizonte und
was Alles zum Perspektivischen gehört; auch das Stück Dummheit in
Bezug auf entgegengesetzte Werthe und die ganze intellektuelle
Einbusse, mit der sich jedes Für, jedes Wid... | 1,911 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_266 | 296 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Gesetzt,
dass es das Problem der Rangordnung ist, von dem wir sagen dürfen,
dass es unser Problem ist, wir freien Geister: jetzt, in dem Mittage
unsres Lebens, verstehn wir es erst, was für Vorbereitungen, Umwege,
Proben, Versuchungen, Verkleidungen das Problem nöthig hatte, ehe
es vor uns aufsteigen durfte, und wie wi... | 2,582 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_267 | 396 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Von den ersten und letzten Dingen. 1. Chemie der Begriffe und Empfindungen. - Die Philosophischen Probleme
nehmen jetzt wieder fast in allen Stücken dieselbe Form der Frage
an, wie vor zweitausend Jahren.- wie kann Etwas aus seinem Gegensatz
entstehen, zum Beispiel Vernünftiges aus Vernunftlosem, Empfindendes
aus Todte... | 2,677 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_268 | 388 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler
aller Philosophen; manche sogar nehmen unversehens die allerjüngste
Gestaltung des Menschen, wie eine solche unter dem Eindruck bestimmter
Religionen, ja bestimmter politischer Ereignisse entstanden ist, als
die feste Form, von der man ausgehen müsse. Sie wollen nicht lerne... | 2,464 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_269 | 351 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | - Die Verehrer
der Formen freilich, mit ihrem Maassstabe des Schönen und Erhabenen,
werden zunächst gute Gründe zu spotten haben, sobald die Schätzung der
unscheinbaren Wahrheiten und der wissenschaftliche Geist anfängt zur
Herrschaft zu kommen: aber nur weil entweder ihr Auge sich noch nicht
dem Reiz der schlichtesten... | 2,489 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_270 | 384 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | "Der Todte lebt fort; denn er erscheint dem Lebenden
im Traume": so schloss man ehedem, durch viele Jahrtausende hindurch. 6. Der Geist der Wissenschaft im Theil, nicht im Ganzen mächtig. - Die
abgetrennten kleinsten Gebiete der Wissenschaft werden rein sachlich
behandelt: die allgemeinen grossen Wissenschaften dagegen... | 2,531 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_271 | 375 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Wie aber
selbst in Betreff der Bücher die schlechte Erklärungskunst keineswegs
völlig überwunden ist und man in der besten gebildeten Gesellschaft
noch fortwährend auf Ueberreste allegorischer und mystischer
Ausdeutung stösst: so steht es auch in Betreff der Natur - ja noch
viel schlimmer. 9. Metaphysische Welt. - Es i... | 2,614 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_272 | 390 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | - Die Bedeutung der
Sprache für die Entwickelung der Cultur liegt darin, dass in ihr der
Mensch eine eigene Welt neben die andere stellte, einen Ort, welchen
er für so fest hielt, um von ihm aus die übrige Welt aus den Angeln
zu heben und sich zum Herrn derselben zu machen. Insofern der Mensch
an die Begriffe und Namen... | 2,077 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_273 | 335 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Willkürlich und verworren, wie es
ist, verwechselt es fortwährend die Dinge auf Grund der flüchtigsten
Aehnlichkeiten: aber mit der selben Willkür und Verworrenheit
dichteten die Völker ihre Mythologien, und noch jetzt pflegen Reisende
zu beobachten, wie sehr der Wilde zur Vergesslichkeit neigt, wie
sein Geist nach kur... | 2,647 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_274 | 378 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | So
weiss jeder aus Erfahrung, wie schnell der Träumende einen starken
an ihn dringenden Ton, zum Beispiel Glockenläuten, Kanonenschüsse in
seinen Traum verflicht, das heisst aus ihm hinterdrein erklärt, so
dass er zuerst die veranlassenden Umstände, dann jenen Ton zu erleben
meint. - Wie kommt es aber, dass der Geist d... | 2,289 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_275 | 358 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Der eigentliche Vorgang dabei ist
wiederum eine Art Schluss von der Wirkung auf die Ursache; indem
der Geist fragt: woher diese Lichteindrücke und Farben, supponirt
er als Ursachen jene Figuren, Gestalten: sie gelten ihm als die
Veranlassungen jener Farben und Lichter, weil er, am Tage, bei
offenen Augen, gewohnt ist, ... | 2,567 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_276 | 382 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Aber diese
Gefühle sind nur insofern tief, als mit ihnen, kaum bemerkbar, gewisse
complicirte Gedankengruppen regelmässig erregt werden, welche wir tief
nennen; ein Gefühl ist tief, weil wir den begleitenden Gedanken für
tief halten. Aber der tiefe Gedanke kann dennoch der Wahrheit sehr
fern sein, wie zum Beispiel jede... | 2,417 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_277 | 363 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Spät, sehr spät - besinnt er sich: und jetzt scheinen
ihm die Welt der Erfahrung und das Ding an sich so ausserordentlich
verschieden und getrennt, dass er den Schluss von jener auf dieses
ablehnt - oder auf eine schauerlich geheimnissvolle Weise zum Aufgeben
unsers Intellectes, unsers persönlichen Willens auffordert: ... | 2,556 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_278 | 369 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Später freilich bekommt
er Misstrauen gegen die ganze metaphysische Erklärungsart, dann sieht
er vielleicht ein, dass jene Wirkungen auf einem anderen Wege eben
so gut und wissenschaftlicher zu erreichen sind: dass physische und
historische Erklärungen mindestens ebenso sehr jenes Gefühl der
Unverantwortlichkeit herbei... | 2,672 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_279 | 381 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | - Am fernsten liegt für
jene Urstufe des Logischen der Gedanke an Causalität: ja jetzt noch
meinen wir im Grunde, alle Empfindungen und Handlungen seien Acte des
freien Willens; wenn das fühlende Individuum sich selbst betrachtet,
so hält es jede Empfindung, jede Veränderung für etwas Isolirtes, das
heisst Unbedingtes,... | 2,671 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_280 | 396 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | - Wenn Kant sagt "der Verstand
schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser
vor", so ist diess in Hinsicht auf den Begriff der Natur völlig wahr,
welchen wir genöthigt sind, mit ihr zu verbinden (Natur = Welt als
Vorstellung, das heisst als Irrthum), welcher aber die Aufsummirung
einer Menge v... | 2,321 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_281 | 354 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Denn es ist, nach historischer Wahrscheinlichkeit,
sehr gut möglich, dass die Menschen einmal in dieser Beziehung im
Ganzen und Allgemeinen skeptisch werden; da lautet also die Frage: wie
wird sich dann die menschliche Gesellschaft, unter dem Einfluss einer
solchen Gesinnung, gestalten? Vielleicht ist der wissenschaftl... | 2,545 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_282 | 375 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Ein ganz moderner
Mensch, der sich zum Beispiel ein Haus bauen will, hat dabei ein
Gefühl, als ob er bei lebendigem Leibe sich in ein Mausoleum vermauern
wolle. 23. Zeitalter der Vergleichung. - je weniger die Menschen durch das
Herkommen gebunden sind, um so grösser wird die innere Bewegung der
Motive, um so grösser w... | 2,441 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_283 | 363 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | Aber die Menschen können mit Bewusstsein
beschliessen, sich zu einer neuen Cultur fortzuentwickeln, während
sie sich früher unbewusst und zufällig entwickelten: sie können jetzt
bessere Bedingungen für die Entstehung der Menschen, ihre Ernährung,
Erziehung, Unterrichtung schaffen, die Erde als Ganzes ökonomisch
verwalt... | 2,609 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_284 | 363 |
7207-8-1 | Gutenberg | 9,991 | - Mitunter erscheinen schroffe,
gewaltsame und fortreissende, aber trotzdem zurückgebliebene
Geister, welche eine vergangene Phase der Menschheit noch einmal
heraufbeschwören: sie dienen zum Beweis, dass die neuen Richtungen,
welchen sie entgegenwirken, noch nicht kräftig genug sind, dass Etwas
an ihnen fehlt: sonst wü... | 2,785 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_285 | 387 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | - Abgesehen von
aller Theologie und ihrer Bekämpfung liegt es auf der Hand, dass die
Welt nicht gut und nicht böse, geschweige denn die beste oder die
schlechteste ist, und dass diese Begriffe "gut" und "böse" nur in
Bezug auf Menschen Sinn haben, ja vielleicht selbst hier, in der
Weise, wie sie gewöhnlich gebraucht we... | 2,387 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_286 | 376 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Die Umkehrung der Sätze lautet: eine Sache kann sich
nicht durchsetzen, erhalten, also ist sie unrecht; eine Meinung quält,
regt auf, also ist sie falsch. Der Freigeist, der das Fehlerhafte
dieser Art zu schliessen nur allzu häufig kennen lernt und an
ihren Folgen zu leiden hat, unterliegt oft der Verführung, die
entge... | 2,553 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_287 | 394 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Ein Trieb zu Etwas oder von Etwas weg, ohne ein Gefühl
davon, dass man das Förderliche wolle, dem Schädlichen ausweiche,
ein Trieb ohne eine Art von erkennender Abschätzung über den Werth
des Zieles, existirt beim Menschen nicht. Wir sind von vornherein
unlogische und daher ungerechte Wesen, und können diess erkennen:
... | 2,290 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_288 | 361 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Wer dagegen
wirklich daran theilnehmen könnte, müsste am Werthe des Lebens
verzweifeln; gelänge es ihm, das Gesammtbewusstsein der Menschheit in
sich zu fassen und zu empfinden, er würde mit einem Fluche gegen das
Dasein zusammenbrechen, - denn die Menschheit hat im Ganzen keine
Ziele, folglich kann der Mensch, in Betr... | 2,057 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_289 | 320 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Ist es wahr, bliebe
einzig noch eine Denkweise übrig, welche als persönliches Ergebniss
die Verzweifelung, als theoretisches eine Philosophie der Zerstörung
nach sich zöge? - Ich glaube, die Entscheidung über die Nachwirkung
der Erkenntniss wird durch das Temperament eines Menschen gegeben:
ich könnte mir eben so gut, ... | 2,412 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_290 | 363 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | - Dass das Nachdenken über
Menschliches, Allzumenschliches - oder wie der gelehrtere Ausdruck
lautet: die psychologische Beobachtung - zu den Mitteln gehöre,
vermöge deren man sich die Last des Lebens erleichtern könne, dass
die Uebung in dieser Kunst Geistesgegenwart in schwierigen Lagen und
Unterhaltung inmitten eine... | 2,333 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_291 | 341 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Einwand.- Oder sollte es gegen jenen Satz, dass die psychologische
Beobachtung zu den Reiz-, Heil- und Erleichterungsmitteln des Daseins
gehöre, eine Gegenrechnung geben? Sollte man sich genug von den
unangenehmen Folgen dieser Kunst überzeugt haben, um jetzt mit
Absichtlichkeit den Blick der sich Bildenden von ihr abz... | 2,577 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_292 | 357 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Denn hier
gebietet jene Wissenschaft, welche nach Ursprung und Geschichte der
sogenannten moralischen Empfindungen fragt und welche im Fortschreiten
die verwickelten sociologischen Probleme aufzustellen und zu lösen
hat: - die ältere Philosophie kennt die letzteren gar nicht und
ist der Untersuchung von Ursprung und Ge... | 2,265 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_293 | 306 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Welches ist doch der Hauptsatz
zu dem einer der kühnsten und kältesten Denker, der Verfasser des
Buches "Ueber den Ursprung der moralischen Empfindungen" vermöge
seiner ein- und durchschneidenden Analysen des menschlichen Handelns
gelangt? "Der moralische Mensch, sagt er, steht der intelligiblen
(metaphysischen) Welt n... | 2,598 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_294 | 382 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | - Die Geschichte der
Empfindungen, vermöge deren wir jemanden verantwortlich machen, also
der sogenannten moralischen Empfindungen verläuft, in folgenden
Hauptphasen. Zuerst nennt man einzelne Handlungen gut oder böse ohne
alle Rücksicht auf deren Motive, sondern allein der nützlichen oder
schädlichen Folgen wegen. Bal... | 2,635 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_295 | 394 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Jener Unmuth beziehe sich zwar scheinbar auf das operari - insofern
sei er irrthümlich -, in Wahrheit aber auf das esse, welches die That
eines freien Willens, die Grundursache der Existenz eines Individuums,
sei; der Mensch werde Das, was er werden wolle, sein Wollen sei
früher, als seine Existenz. - Hier wird der Feh... | 2,402 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_296 | 369 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Dächte
man sich aber einen Menschen von achtzigtausend Jahren, so hätte man
an ihm sogar einen absolut veränderlichen Charakter: so dass eine
Fülle verschiedener Individuen sich nach und nach aus ihm entwickelte. Die Kürze des menschlichen Lebens verleitet zu manchen irrthümlichen
Behauptungen über die Eigenschaften de... | 2,700 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_297 | 392 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Ohne die Genugthuung der Dankbarkeit zu haben, würde der
Mächtige sich unmächtig gezeigt haben und fürderhin dafür gelten. Desshalb stellt jede Gesellschaft der Guten, das heisst ursprünglich
der Mächtigen, die Dankbarkeit unter die ersten Pflichten. - Swift hat den Satz hingeworfen, dass Menschen in dem selben
Verhält... | 2,533 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_298 | 387 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | - Unsere jetzige Sittlichkeit ist auf dem Boden der herrschenden
Stämme und Kasten aufgewachsen. 46. Mitleiden stärker als Leiden. - Es giebt Fälle, wo das Mitleiden
stärker ist, als das eigentliche Leiden. Wir empfinden es zum Beispiel
schmerzlicher, wenn einer unserer Freunde sich etwas Schmähliches zu
Schulden komme... | 2,603 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_299 | 389 |
Subsets and Splits
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