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24288-8-2
Gutenberg
8,413
Und also heiß ihn seiner Stunde warten, da er den Tod gebären wird, den Herrn: allein und rauschend wie ein großer Garten und ein Versammelter aus fern. Das letzte Zeichen laß an uns geschehen, erscheine in der Krone deiner Kraft, und gib uns jetzt (nach aller Weiber Wehen) des Menschen ernste Mutterschaft. Erfülle, du...
2,149
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367
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Sie kommen auch zu Beeten und Alleen --: Denn Gärten sind, -- von Königen gebaut, die eine kleine Zeit sich drin vergnügten mit jungen Frauen, welche Blumen fügten zu ihres Lachens wunderlichem Laut. Sie hielten diese müden Parke wach; sie flüsterten wie Lüfte in den Büschen, sie leuchteten in Pelzen und in Plüschen...
2,287
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366
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Nicht wie die Ersten alter Handelshäfen, die sorgten, wie sie ihre Wirklichkeit mit Bildern ohnegleichen überträfen und ihre Bilder wieder mit der Zeit; und die in ihres goldnen Mantels Stadt zusammgefaltet waren wie ein Blatt, nur leise atmend mit den weißen Schläfen ... Das waren Reiche, die das Leben zwangen unendli...
2,030
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349
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Und was sind Vögel gegen dich, die frieren, was ist ein Hund, der tagelang nicht fraß, und was ist gegen dich das Sichverlieren, das stille lange Traurigsein von Tieren, die man als Eingefangene vergaß? Und alle Armen in den Nachtasylen, was sind sie gegen dich und deine Not? Sie sind nur kleine Steine, keine Mühlen, a...
2,303
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390
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Ihr Mund ist wie der Mund an einer Büste, der nie erklang und atmete und küßte und doch aus einem Leben, das verging, das alles, weise eingeformt, empfing, und sich nun wölbt, als ob er alles wüßte -- und doch nur Gleichnis ist und Stein und Ding ... Und ihre Stimme kommt von ferneher und ist vor Sonnenaufgang aufgebro...
2,091
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364
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Des Armen Haus ist wie ein Altarschrein, drin wandelt sich das Ewige zur Speise, und wenn der Abend kommt, so kehrt es leise zu sich zurück in einem weiten Kreise und geht voll Nachklang langsam in sich ein. Des Armen Haus ist wie ein Altarschrein. Des Armen Haus ist wie des Kindes Hand. Sie nimmt nicht, was Erwachsene...
2,148
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375
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Der Innigste und Liebendste von allen, der kam und lebte wie ein junges Jahr; der braune Bruder deiner Nachtigallen, in dem ein Wundern und ein Wohlgefallen und ein Entzücken an der Erde war. Denn er war keiner von den immer Müdern, die freudeloser werden nach und nach, mit kleinen Blumen wie mit kleinen Brüdern ging e...
1,922
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330
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Die Versanfänge _Erstes Buch:_ Das Buch vom mönchischen Leben (1899) Da neigt sich die Stunde und rührt mich an 7 Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen 7 Ich habe viele Brüder in Soutanen 8 Wir dürfen dich nicht eigenmächtig malen ...
2,908
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357
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Die Türen fallen 32 Du bist der Tiefste, welcher ragte 33 Ich weiß: Du bist der Rätselhafte 33 So ist mein Tagwerk, über dem 34 Ihr vielen unbestürmten Städte 35 Ich komme aus me...
3,476
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396
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Von den harten Lagern 74 Jetzt reifen schon die roten Berberitzen 78 Du mußt nicht bangen, Gott 78 In tiefen Nächten grab ich dich, du Schatz 80 _Drittes Buch:_ Das Buch von der Armut und vom Tode (1903) Vielleicht, daß ...
3,018
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398
24288-8-2
Gutenberg
8,413
80: Denn alle Uberflüsse -> Überflüsse p. 86: zehn ihnen leise eine Weile nach -> gehn p. Creating the works from public domain print editions means that no one owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United States without permission and without payi...
2,245
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384
24288-8-2
Gutenberg
8,413
Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this electronic work, or any part of this electronic work, without prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with active links or immediate access to the full terms of the Project Gutenberg-tm License. 1.E.6. You may convert to and distrib...
2,439
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397
24288-8-2
Gutenberg
8,413
If the second copy is also defective, you may demand a refund in writing without further opportunities to fix the problem. 1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING B...
2,252
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347
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Langkau and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Franziska Mann Die Stufe Fragment einer Liebe [Abbildung: Mosaik Verlag] Im Mosaik Verlag zu Berlin 1922 _Mosaik-Bücher * Band 3_ Dieses Buch wurde für die _Mosaik Verlag_ G.m.b.H. bei Gebrüder Rennert in Berli...
2,633
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397
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Für das Glück der Vielen war ich nie geschaffen. Vielleicht vermochte ich Einigen die Kraft zur Einsamkeit zu stärken; vielleicht lehrte ich Einige sich selbst kennen zu lernen, half ihnen, eine andere Lebensresonanz zu erlauschen. Ich vergaß nie, daß ich nicht mehr werden konnte als ein Mörtelträger: sein Schloß kann ...
2,512
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395
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Mir geht es wie dem Künstler, der sich in immer neue Gebilde verliert, die seine schaffenstrunkene Phantasie formt. Kommt doch auch für ihn so überraschend schnell eine Zeit, in der er ohne Extase vor einer Schöpfung steht, die einmal Inhalt all seines Denkens und Fühlens gewesen ist. Ihm selbst unergründliche Gewalten...
2,623
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394
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Wie immer es auch kommen mag! Sie lächeln: »Kommen mag?« Was sollte zwischen Ihnen und mir, der immer nur Einer zwischen Vielen war, kommen? Nichts an mir berechtigte je zu besonderen Hoffnungen, eher wohl zu besonderen Sorgen. Da waren meine fünf Brüder ganz andere Kerle, begabt und draufgängerisch. Die erste Tat in m...
2,204
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343
21115-8-1
Gutenberg
9,998
In den wenigen Monaten hier habe ich endlich erkannt, daß in der Wissenschaft, in der Kunst _der_ sehr viel weniger gilt, der Besonderes zuerst sagte, als _der_, welcher sich als Erster mutig Gehör zu schaffen verstand, und so weiß ich nicht mehr mit Bestimmtheit, ob sich unter meiner Gebundenheit nicht doch etwas rege...
2,427
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386
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Sie werden zu verstehen versuchen, wie es gekommen ist, daß ich mich so früh mit einem ungelebten Leben abfand. Vererbung, Erziehung, Lebensumstände mögen die Sklavenhalter gewesen sein, die gelassen zu Tode peitschen wollten, was nicht stark genug in mir war, sich jubelnd aus der kläglichen Gebundenheit zu befreien. N...
2,475
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393
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Zwar sagten Sie mir: »Auch die Schmerzen, die mir durch Sie kommen, will ich segnen.« Aber, großes Kind, Schmerzen sind schwer, ach, sehr schwer zu segnen. Deshalb erinnere ich wieder und wieder an mein erstes Warnen und an -- meine Jahre. Trotzdem kann ich nicht das »wir« streichen, gehören ja auch Sie zu jener kleine...
2,382
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387
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Sie wissen ja nicht, was es in sich schließt, dieses: »nur Sie«, was es bedeutet, nur einen einzigen Menschen zu haben. Ihre Stimme ist die erste _menschliche_ Stimme gewesen, die ich in meinem Alleinsein je vernommen habe: Verschollene Möglichkeiten aus den Tagen meiner Kindheit richten sich auf, Möglichkeiten, die me...
2,523
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396
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Wenn Liebe die größte Steigerung der in uns ruhenden Kräfte und Möglichkeiten schafft, dann -- erwidere ich Ihre Liebe. Ich sage Ihnen dies ganz ruhig, nur wie die Feststellung einer Tatsache. Hoffen Sie nicht, daß ich mich Ihnen wie eine Lebensanfängerin in die Arme stürzen werde. Nein, an Ihnen vorbei will ich mich _...
2,545
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399
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Nur während der Pausen, in denen er diesen Schaffensrausch für erstorben und erstickt hält, vermag er mit den anderen Schritt zu halten, die besser, viel besser sein können als er, die er lieben und bewundern mag, und von denen ihn doch sein Anderssein trennt, vor denen er oft geradezu auf der Flucht sein muß, wenn er ...
2,645
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396
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Erinnern Sie sich, daß ich jüngst von den eckigen Worten sprach, von der unvollkommenen Form für ein so gewaltiges Empfinden, wie das meinige für Sie? Wäre es möglich, daß ich, ohne es zu wissen, im Besitz jener Form gewesen bin? Ich vermag dieses Glück nicht durchzudenken; ich darf diese Vorstellung nicht nähren, sie ...
2,458
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399
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Das von dem veränderten Weltbilde mußte ich Dir also berichten. Dagegen halte ich es für gefährlich (ich meine niederziehend) über jeden alltäglichen Kleinkram und Kleinkrieg miteinander zu sprechen. Dergleichen schweigt man tot, redet es nicht »lebendig.« Oft ist unser Gespräch tief in die Tage Deiner frühen Jugend g...
2,641
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388
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Und doch verdanke ich diesen paar rascheren Herzensstößen eine nicht zu erschütternde Siegesstimmung für beschattete spätere Tagesstunden. Konnte ich Dir trotzdem gestern erklären, daß dieses _häufige_ Schreiben »nicht nötig« sei? Ich widerrufe, -- ach, wie viel von meiner trügerischen »Abgeklärtheit« habe ich zu wider...
2,534
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385
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Maria, vielleicht doch _Deine_ Maria? _Roland an Maria._ Maria, wie hat Dein Brief mich beseelt. Ich lebe nur ganz in der Gegenwart; in dieser Fähigkeit entdeckte ich das Geheimnis der Lebenskunst. Ich glaube, Cromwell war's, welcher ausrief: »Der kommt am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht.« Die Vergangenheit ...
2,518
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397
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Du schliefst, bist erwacht, bist entfesselt; Dein Leben beginnt. Was konntest _Du_ von der _Welt_ verlangen, solange Du selbst nicht bereit warst, _Dich_ ihr zu geben? Nun bist Du bereit, das verändert alles. Aber, daß Deine dichtende Seele sich immer wieder nur mir zuwendet, ist eine Gefahr für uns beide, und doch ist...
2,417
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397
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Du jedoch, deren Antwort immer nur ein »damals, ja damals« war, Du _lächelst_ --?« »Das wundert Dich, Strahl, der Du das Licht zu sein glaubst? Fühlst Du denn nicht, daß jedes »damals« von einem Besitz -- einer Wonne -- einer Seligkeit -- einem Vertrauen -- einem Glauben -- einer Stärke zeugt? Und ich sollte nicht läc...
2,347
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385
21115-8-1
Gutenberg
9,998
In meiner Brust muß »es« doch gewesen sein, weshalb konnte ich es nicht allein aus den Schalen schlagen, in die es sich verkapselt hatte? Wie konnte ich mich so gelassen in die trostlosen Willkürlichkeiten des Alltags finden? Kunst! Kunst! Mit welchem Recht weise ich die Vorstellung nicht mehr wie Einfältigkeit oder Wa...
2,487
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396
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Was wußtest Du denn mit Bestimmtheit? Etwa, daß _ich_ Dir eine neue Brücke für die Zukunft werden könnte, ich, der Unbelebtesten einer? Du süße Warnerin wußtest ja auch nicht aus eigener Erfahrung, daß Liebe das Rätselvollste ist und mit der Bedeutung oder dem Wert dessen, was der andere ist, nicht im Zusammenhange ste...
2,381
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375
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Mein Weg zu Dir -- wie den ich deuten soll? Von bunten Blüten ist er übervoll, Die leuchten, wo mein Fuß auch immer schreitet, Und goldner Glanz ist über sie gebreitet. Kein nüchternes und graues Häusermeer Seh ich auf meinem Wege um mich her: Umspielt ist alles rings von lichtem Schimmer -- Die Menschen, die...
2,465
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397
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Und wolle, wenn es Dein Los sein soll, unterzugehen, -- tausendmal lieber im Kampfe um die Kunst fallen, denn im Kampfe mit dem dürren Leben. Den immer Korrekten, immer Nüchternen sind _wir_ nur seltsam -- uns erscheinen _sie_ armselig; _wir_ schauen Verborgenes, von dem _sie_ nichts sehen oder nichts sehen wollen. _Wi...
2,361
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380
21115-8-1
Gutenberg
9,998
-- In den Tagen, die mich Dir fernhielten, waren meine Gedanken fessellos wie schwebende Adler, meine Empfindungen berauscht, als schritte ich auf blühenden Hyazinthenfeldern dahin. »Dank Dir, mein Gott, der Du Wunder tust,« tönte es in mir. »Wochen, Monde, Jahre war ich unjung in meiner vermeintlichen Gefestigtheit. ...
2,371
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377
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Wirst Du, aller Frauen geliebteste, einen verhöhnten Freund nicht verlassen? Hättest Du vorher gewußt, welche Geister Du in dem schweigsamen Menschen wachzurufen vermochtest, der fremd und hilflos wie ein Kind auf jenem Feste einige Minuten zufällig an Deine Seite geschoben wurde, hättest Du auch dann, weil Du ihn _för...
2,541
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391
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Ich erwähne dies nicht etwa als eine mir von _eigenen_ Gnaden zugebilligte höhere Moral. -- Gestern starb in meinem Hause ein alter Mann nach langem, viel, viel zu langem Siechtum. »Der Tod hat mich vergessen«, seufzte er, als ich ihn zum letzten Male besuchte. Ich lege Dir einige Blätter ein; lies, welche Gedanken se...
2,398
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378
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Tag und Nacht murmelten ihre schmalen Lippen: »Vergessen vom Tode -- vergessen vom Tode!« Gleichgültig kamen die Jahre; gleichgültig gingen die Winter an den Alten vorüber. Kein Lenz ließ ihnen etwas erblühen; kein Sommer lachte ihnen. Herbst kam und Herbst ging; die Greise blieben. Einstmals konnten Menschen, deren L...
2,640
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389
21115-8-1
Gutenberg
9,998
Grauen vor dem Frühling erfüllte die Menschen, dessen Süße Leben spendet, dessen Atem befruchtet. Immer freudearmer wurde die Erde; nur Kinder lächelten. Die Gedanken aller Erfahrenen schienen einem einzigen Ziele zugewandt: Dem Wiedererscheinen, der Rückkehr des Todes. Was bedeuteten die Tränen jener Zeiten, da man ih...
2,465
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377
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Wann wirst Du mir einen Tag bescheren, einen vollen, ganzen Tag? Ich mag nicht immer »vornehm geartet« sein. Roland, nur Dein Roland. _Maria an Roland._ Liebster, tagelang vergaß ich, mich zu fragen, ob die unsichtbare Verkettung, die uns bindet, berechtigt oder unberechtigt sei. Liegt aber nicht schon in dem Ausdruc...
2,394
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364
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Was wird übrig bleiben oder entstanden sein, was geboren oder getötet, was wird sich aus dieser beglückenden Verwirrtheit herauskristallisieren? Nie mehr kann ich in die Welt zurückfinden, die ich verließ, oder aus der mich eine fremde Macht stieß. Ja, Du ein Anderer -- ich eine Andere, die vollgesogen ist von vielleic...
2,487
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389
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Mochte ich auch suchend Umschau halten, daran war nichts zu ändern, daß diese flachen, noch in ziemlicher Nähe einem Kartoffelfeld gleichenden Felder meiner Rosen Heimatboden waren. Gewiß, ich hatte einen besonders ungeeigneten Tag getroffen; der zu heftige Regen der vorherigen Tage mochte wohl der Felder Aussehen gesc...
2,503
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385
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Nur ein Hauch dringt ja bis zum Anderen, denn -- ob mündlich oder schriftlich -- es gelingt doch nie, sich ganz mitzuteilen. Weder in Briefen, noch in Werken sind wir wirklich restlos die, die wir für den anderen sein möchten. Ich muß jetzt auf der Hut vor mir selber sein, weil ich merke, daß sich etwas wie Hang zum Sp...
2,510
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399
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Du mußt nicht immer an die Zahl meiner Jahre denken, nicht glauben, daß tiefstes Einfühlen in die Seelen der Enterbten, Gesunkenen nur der Frau eigen sei. Ueberhaupt werden männliche und weibliche Eigenschaften viel zu kraß getrennt. Eine Frau mit sogenannten nur weiblichen Tugenden, ein Mann mit Eigenschaften, die wir...
2,376
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373
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Ueberlegenheit, wie Du sie mir andichtest, scheint Wandlung -- geistige und seelische -- auszuschließen; Du aber mußt doch wissen, daß ich gerade in den letzten Wochen dahin gekommen bin, mich freudig auch Irrtümern zu unterwerfen. Daß jeder Tag bereit sein könnte, den vorherigen zu verneinen, übersieht unsere seltsame...
2,533
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390
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Jetzt erfüllt mich oft nichts als das Verlangen, mich wie ein Kind schluchzend über den Schoß einer Mutter beugen zu dürfen. Da siehst Du, Geliebter, wie es um meine Abgeklärtheit bestellt ist. Wie wenig bin ich. Oder wuchs ich dennoch vielleicht durch das große Gefühl für Dich? Deine Maria. _Roland an Maria._ Maria,...
2,443
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390
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Du siehst in meinen Versen heute das unzulängliche Ergebnis dieses Zwiespalts. Nie möchte ich in alltäglichem Sinne mit Dir verbunden sein; nur das Vollkommenste meines Wesens darf Dich berühren, immer sollst Du mir heilig bleiben. Maria, Maria, fängt das Leben schon an, mich in ein Chaos zu stürzen, in dem es von ewig...
2,450
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384
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Auch ohne Sekt wären wir berauscht gewesen, aber wir hatten beide die kindliche Vorstellung, irgend etwas müsse äußerlich zur Feier mitdienen. Von keinen Schwierigkeiten haben wir mehr gewußt; wir gaben uns ganz einem Zauber hin, dem wir uns nicht zu entreißen vermochten. Auch mein Blut begann zu singen. In Deinen Auge...
2,555
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393
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Du hältst Dich für alle Fälle gewappnet. Mir scheint, für Niederlagen ist man nie genügend oder richtig gewappnet, aber trotzdem -- so oft Du jetzt von »verblödetem Publikum«, von »nichtssagender Presse« sprichst, steht Dir auch das. Oft sehe ich Dich, Du weißt es ja, nur stumm staunend an. In den Tiefen Deiner Seele, ...
2,493
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380
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Nennen sie Dich nach der ersten Aufführung »eine Hoffnung«, so wirst Du beim zweiten Stück diese Hoffnung »nicht erfüllt« haben. Hob Dich Dein erster Schritt in die Oeffentlichkeit gleich auf eine ansehnliche Höhe, so verzeichnet man beim folgenden sicher »keinen Fortschritt«. -- Auch heute können wir uns nicht sehen;...
2,550
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394
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Wäre nur Eitelkeit die Ursache des Peinigenden, so hielte ich mich für ein Gänschen in landläufigem Sinne, und ich selbst wüßte jenes reißende Wehgefühl nicht in Einklang mit dem Grundton meines Wesens zu bringen. Doch die Minute, in der das: »ich freue mich, -- Ihre Frau Mutter« -- vernehmbar war, genügte, um die Frag...
2,538
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393
21115-8-2
Gutenberg
8,496
Ich belächelte mich, aber -- ich ging nicht weiter zu anderen Freunden. »Besuchen Sie mich,« sagte ich gelassen und sorglos. In der Sekunde warst Du, Roland, mir ein Ziel geworden, -- wieder einmal zwang es mich, Menschenbildner werden zu wollen. Mit welchem Ergebnis? Nimmer konnte ich diese seelischen Wandlungen, dies...
2,637
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8,496
Sie wollen vorher mit zuverlässiger Sicherheit wissen, wann sie fehl gehen könnten, und wann es ihr gutes Recht ist, auf eigne Art »Mensch« zu werden. Ohne Verletzungen möchten sie hinaus und hinauf. Krisen erschrecken sie. Für alle Zeit trägst Du nun ein starkes Lebensempfinden in Dir, und wie immer Deine äußere Bahn ...
2,481
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8,496
Nun ist's mir wieder eingefallen, ohne Bitterkeit, ohne Erschrecken, ohne die Absicht, irgend jemanden zur Rechenschaft dafür ziehen zu wollen. Am wenigsten Dich, geliebter Junge. Nichts ist jetzt notwendig als ein festes Herz. Seltsam, welche Fülle von Forderungen wir gerade an diesen kleinen Muskel stellen, den wir u...
2,421
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8,496
_Heute_ glaube ich hellsehend zu sein; schon in einer Woche könnte ich mich betrügen und all dieses für einen Anfall von Schwermut halten, der _glücklich_ überwunden ist. Nein, schnell muß ich handeln, auch wenn ich inmitten meiner raschen Reisevorbereitungen wieder und wieder plötzlich nur an »zerstörende Sinnlosigkei...
2,581
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8,496
Laß uns unsere Liebe unverwundbar gestalten, laß uns zum _höheren_ Glück emporklimmen. Am Firmament bleiben Dir strahlende Lichtfunken. Sehnsucht ist Glanz auch in sternenlosen Nächten. Oder sollte all dies dennoch Phantasterei sein? Selbstmord? Uebertreibe ich? Irre ich in der Voraussetzung, daß durch meine Selbstbesi...
2,675
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8,496
Jetzt begreife ich auch sie. Nachdem mein Entschluß gefaßt war, konnte ich in seltsamer Ueberlegung ordnen, was geordnet sein mußte. Ich handle aus Naturnotwendigkeit, aus dem, was meiner Natur notwendig erscheint. Ob falsch, ob richtig, kann nicht mehr das Entscheidende sein; nicht ob ich göttlichen oder menschlichen ...
2,550
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-- Unser Leidensweg führt durch die Seele, aber der unserer tiefsten Erkenntnisse, die aufwärts tragen wollen, auch. _Ich hatte Angst vor dem kleinen Glück_, aber Menschen, in denen diese Angst nicht zu überwinden ist, müssen hart sein können -- hart gegen sich und hart gegen die, welche sie am meisten zu lieben glaube...
2,593
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If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. 1.B. It may only be used on or associated in any way ...
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2,380
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9,991
This header should be the first thing seen when viewing this Project Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the header without written permission. Included is important information about your specific rights and restrictions in how the file may be used. Menschliches, Allzumenschliches Ein Buch ...
2,368
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9,991
Wie? Alles nur - menschlich-allzumenschlich? Mit diesem Seufzer komme man aus meinen Schriften heraus, nicht ohne eine Art Scheu und Misstrauen selbst gegen die Moral, ja nicht übel versucht und ermuthigt, einmal den Fürsprecher der schlimmsten Dinge zu machen: wie als ob sie vielleicht nur die bestverleumdeten seien? ...
1,823
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9,991
Vielleicht, dass man mir in diesem Betrachte mancherlei "Kunst", mancherlei feinere Falschmünzerei vorrücken könnte: zum Beispiel, dass ich wissentlich-willentlich die Augen vor Schopenhauer's blindem Willen zur Moral zugemacht hätte, zu einer Zeit, wo ich über Moral schon hellsichtig genug war; insgleichen dass ich mi...
2,473
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9,991
Man darf vermuthen, dass ein Geist, in dem der Typus "freier Geist" einmal bis zur Vollkommenheit reif und süss werden soll, sein entscheidendes Ereigniss in einer grossen Loslösung gehabt hat, und dass er vorher um so mehr ein gebundener Geist war und für immer an seine Ecke und Säule gefesselt schien. Was bindet am f...
2,185
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9,991
Sie ist eine Krankheit zugleich, die den Menschen zerstören kann, dieser erste Ausbruch von Kraft und Willen zur Selbstbestimmung, Selbst-Werthsetzung, dieser Wille zum freien Willen: und wie viel Krankheit drückt sich an den wilden Versuchen und Seltsamkeiten aus, mit denen der Befreite, Losgelöste sich nunmehr seine ...
1,606
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9,991
Von dieser krankhaften Vereinsamung, von der Wüste solcher Versuchs-Jahre ist der Weg noch weit bis zu jener ungeheuren überströmenden Sicherheit und Gesundheit, welche der Krankheit selbst nicht entrathen mag, als eines Mittels und Angelhakens der Erkenntniss, bis zu jener reifen Freiheit des Geistes, welche ebensoseh...
2,511
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9,991
Er ist verwundert und sitzt stille: wo war er doch? Diese nahen und nächsten Dinge: wie scheinen sie ihm verwandelt! welchen Flaum und Zauber haben sie inzwischen bekommen! Er blickt dankbar zurück, - dankbar seiner Wanderschaft, seiner Härte und Selbstentfremdung, seinen Fernblicken und Vogelflügen in kalte Höhen. Wie...
2,447
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9,991
Du solltest das Perspektivische in jeder Werthschätzung begreifen lernen - die Verschiebung, Verzerrung und scheinbare Teleologie der Horizonte und was Alles zum Perspektivischen gehört; auch das Stück Dummheit in Bezug auf entgegengesetzte Werthe und die ganze intellektuelle Einbusse, mit der sich jedes Für, jedes Wid...
1,911
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9,991
Gesetzt, dass es das Problem der Rangordnung ist, von dem wir sagen dürfen, dass es unser Problem ist, wir freien Geister: jetzt, in dem Mittage unsres Lebens, verstehn wir es erst, was für Vorbereitungen, Umwege, Proben, Versuchungen, Verkleidungen das Problem nöthig hatte, ehe es vor uns aufsteigen durfte, und wie wi...
2,582
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9,991
Von den ersten und letzten Dingen. 1. Chemie der Begriffe und Empfindungen. - Die Philosophischen Probleme nehmen jetzt wieder fast in allen Stücken dieselbe Form der Frage an, wie vor zweitausend Jahren.- wie kann Etwas aus seinem Gegensatz entstehen, zum Beispiel Vernünftiges aus Vernunftlosem, Empfindendes aus Todte...
2,677
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9,991
Mangel an historischem Sinn ist der Erbfehler aller Philosophen; manche sogar nehmen unversehens die allerjüngste Gestaltung des Menschen, wie eine solche unter dem Eindruck bestimmter Religionen, ja bestimmter politischer Ereignisse entstanden ist, als die feste Form, von der man ausgehen müsse. Sie wollen nicht lerne...
2,464
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9,991
- Die Verehrer der Formen freilich, mit ihrem Maassstabe des Schönen und Erhabenen, werden zunächst gute Gründe zu spotten haben, sobald die Schätzung der unscheinbaren Wahrheiten und der wissenschaftliche Geist anfängt zur Herrschaft zu kommen: aber nur weil entweder ihr Auge sich noch nicht dem Reiz der schlichtesten...
2,489
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9,991
"Der Todte lebt fort; denn er erscheint dem Lebenden im Traume": so schloss man ehedem, durch viele Jahrtausende hindurch. 6. Der Geist der Wissenschaft im Theil, nicht im Ganzen mächtig. - Die abgetrennten kleinsten Gebiete der Wissenschaft werden rein sachlich behandelt: die allgemeinen grossen Wissenschaften dagegen...
2,531
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9,991
Wie aber selbst in Betreff der Bücher die schlechte Erklärungskunst keineswegs völlig überwunden ist und man in der besten gebildeten Gesellschaft noch fortwährend auf Ueberreste allegorischer und mystischer Ausdeutung stösst: so steht es auch in Betreff der Natur - ja noch viel schlimmer. 9. Metaphysische Welt. - Es i...
2,614
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9,991
- Die Bedeutung der Sprache für die Entwickelung der Cultur liegt darin, dass in ihr der Mensch eine eigene Welt neben die andere stellte, einen Ort, welchen er für so fest hielt, um von ihm aus die übrige Welt aus den Angeln zu heben und sich zum Herrn derselben zu machen. Insofern der Mensch an die Begriffe und Namen...
2,077
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9,991
Willkürlich und verworren, wie es ist, verwechselt es fortwährend die Dinge auf Grund der flüchtigsten Aehnlichkeiten: aber mit der selben Willkür und Verworrenheit dichteten die Völker ihre Mythologien, und noch jetzt pflegen Reisende zu beobachten, wie sehr der Wilde zur Vergesslichkeit neigt, wie sein Geist nach kur...
2,647
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9,991
So weiss jeder aus Erfahrung, wie schnell der Träumende einen starken an ihn dringenden Ton, zum Beispiel Glockenläuten, Kanonenschüsse in seinen Traum verflicht, das heisst aus ihm hinterdrein erklärt, so dass er zuerst die veranlassenden Umstände, dann jenen Ton zu erleben meint. - Wie kommt es aber, dass der Geist d...
2,289
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9,991
Der eigentliche Vorgang dabei ist wiederum eine Art Schluss von der Wirkung auf die Ursache; indem der Geist fragt: woher diese Lichteindrücke und Farben, supponirt er als Ursachen jene Figuren, Gestalten: sie gelten ihm als die Veranlassungen jener Farben und Lichter, weil er, am Tage, bei offenen Augen, gewohnt ist, ...
2,567
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9,991
Aber diese Gefühle sind nur insofern tief, als mit ihnen, kaum bemerkbar, gewisse complicirte Gedankengruppen regelmässig erregt werden, welche wir tief nennen; ein Gefühl ist tief, weil wir den begleitenden Gedanken für tief halten. Aber der tiefe Gedanke kann dennoch der Wahrheit sehr fern sein, wie zum Beispiel jede...
2,417
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9,991
Spät, sehr spät - besinnt er sich: und jetzt scheinen ihm die Welt der Erfahrung und das Ding an sich so ausserordentlich verschieden und getrennt, dass er den Schluss von jener auf dieses ablehnt - oder auf eine schauerlich geheimnissvolle Weise zum Aufgeben unsers Intellectes, unsers persönlichen Willens auffordert: ...
2,556
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9,991
Später freilich bekommt er Misstrauen gegen die ganze metaphysische Erklärungsart, dann sieht er vielleicht ein, dass jene Wirkungen auf einem anderen Wege eben so gut und wissenschaftlicher zu erreichen sind: dass physische und historische Erklärungen mindestens ebenso sehr jenes Gefühl der Unverantwortlichkeit herbei...
2,672
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9,991
- Am fernsten liegt für jene Urstufe des Logischen der Gedanke an Causalität: ja jetzt noch meinen wir im Grunde, alle Empfindungen und Handlungen seien Acte des freien Willens; wenn das fühlende Individuum sich selbst betrachtet, so hält es jede Empfindung, jede Veränderung für etwas Isolirtes, das heisst Unbedingtes,...
2,671
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9,991
- Wenn Kant sagt "der Verstand schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur, sondern schreibt sie dieser vor", so ist diess in Hinsicht auf den Begriff der Natur völlig wahr, welchen wir genöthigt sind, mit ihr zu verbinden (Natur = Welt als Vorstellung, das heisst als Irrthum), welcher aber die Aufsummirung einer Menge v...
2,321
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9,991
Denn es ist, nach historischer Wahrscheinlichkeit, sehr gut möglich, dass die Menschen einmal in dieser Beziehung im Ganzen und Allgemeinen skeptisch werden; da lautet also die Frage: wie wird sich dann die menschliche Gesellschaft, unter dem Einfluss einer solchen Gesinnung, gestalten? Vielleicht ist der wissenschaftl...
2,545
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9,991
Ein ganz moderner Mensch, der sich zum Beispiel ein Haus bauen will, hat dabei ein Gefühl, als ob er bei lebendigem Leibe sich in ein Mausoleum vermauern wolle. 23. Zeitalter der Vergleichung. - je weniger die Menschen durch das Herkommen gebunden sind, um so grösser wird die innere Bewegung der Motive, um so grösser w...
2,441
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9,991
Aber die Menschen können mit Bewusstsein beschliessen, sich zu einer neuen Cultur fortzuentwickeln, während sie sich früher unbewusst und zufällig entwickelten: sie können jetzt bessere Bedingungen für die Entstehung der Menschen, ihre Ernährung, Erziehung, Unterrichtung schaffen, die Erde als Ganzes ökonomisch verwalt...
2,609
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9,991
- Mitunter erscheinen schroffe, gewaltsame und fortreissende, aber trotzdem zurückgebliebene Geister, welche eine vergangene Phase der Menschheit noch einmal heraufbeschwören: sie dienen zum Beweis, dass die neuen Richtungen, welchen sie entgegenwirken, noch nicht kräftig genug sind, dass Etwas an ihnen fehlt: sonst wü...
2,785
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9,950
- Abgesehen von aller Theologie und ihrer Bekämpfung liegt es auf der Hand, dass die Welt nicht gut und nicht böse, geschweige denn die beste oder die schlechteste ist, und dass diese Begriffe "gut" und "böse" nur in Bezug auf Menschen Sinn haben, ja vielleicht selbst hier, in der Weise, wie sie gewöhnlich gebraucht we...
2,387
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9,950
Die Umkehrung der Sätze lautet: eine Sache kann sich nicht durchsetzen, erhalten, also ist sie unrecht; eine Meinung quält, regt auf, also ist sie falsch. Der Freigeist, der das Fehlerhafte dieser Art zu schliessen nur allzu häufig kennen lernt und an ihren Folgen zu leiden hat, unterliegt oft der Verführung, die entge...
2,553
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9,950
Ein Trieb zu Etwas oder von Etwas weg, ohne ein Gefühl davon, dass man das Förderliche wolle, dem Schädlichen ausweiche, ein Trieb ohne eine Art von erkennender Abschätzung über den Werth des Zieles, existirt beim Menschen nicht. Wir sind von vornherein unlogische und daher ungerechte Wesen, und können diess erkennen: ...
2,290
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9,950
Wer dagegen wirklich daran theilnehmen könnte, müsste am Werthe des Lebens verzweifeln; gelänge es ihm, das Gesammtbewusstsein der Menschheit in sich zu fassen und zu empfinden, er würde mit einem Fluche gegen das Dasein zusammenbrechen, - denn die Menschheit hat im Ganzen keine Ziele, folglich kann der Mensch, in Betr...
2,057
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9,950
Ist es wahr, bliebe einzig noch eine Denkweise übrig, welche als persönliches Ergebniss die Verzweifelung, als theoretisches eine Philosophie der Zerstörung nach sich zöge? - Ich glaube, die Entscheidung über die Nachwirkung der Erkenntniss wird durch das Temperament eines Menschen gegeben: ich könnte mir eben so gut, ...
2,412
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9,950
- Dass das Nachdenken über Menschliches, Allzumenschliches - oder wie der gelehrtere Ausdruck lautet: die psychologische Beobachtung - zu den Mitteln gehöre, vermöge deren man sich die Last des Lebens erleichtern könne, dass die Uebung in dieser Kunst Geistesgegenwart in schwierigen Lagen und Unterhaltung inmitten eine...
2,333
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9,950
Einwand.- Oder sollte es gegen jenen Satz, dass die psychologische Beobachtung zu den Reiz-, Heil- und Erleichterungsmitteln des Daseins gehöre, eine Gegenrechnung geben? Sollte man sich genug von den unangenehmen Folgen dieser Kunst überzeugt haben, um jetzt mit Absichtlichkeit den Blick der sich Bildenden von ihr abz...
2,577
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9,950
Denn hier gebietet jene Wissenschaft, welche nach Ursprung und Geschichte der sogenannten moralischen Empfindungen fragt und welche im Fortschreiten die verwickelten sociologischen Probleme aufzustellen und zu lösen hat: - die ältere Philosophie kennt die letzteren gar nicht und ist der Untersuchung von Ursprung und Ge...
2,265
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9,950
Welches ist doch der Hauptsatz zu dem einer der kühnsten und kältesten Denker, der Verfasser des Buches "Ueber den Ursprung der moralischen Empfindungen" vermöge seiner ein- und durchschneidenden Analysen des menschlichen Handelns gelangt? "Der moralische Mensch, sagt er, steht der intelligiblen (metaphysischen) Welt n...
2,598
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7207-8-2
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9,950
- Die Geschichte der Empfindungen, vermöge deren wir jemanden verantwortlich machen, also der sogenannten moralischen Empfindungen verläuft, in folgenden Hauptphasen. Zuerst nennt man einzelne Handlungen gut oder böse ohne alle Rücksicht auf deren Motive, sondern allein der nützlichen oder schädlichen Folgen wegen. Bal...
2,635
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Jener Unmuth beziehe sich zwar scheinbar auf das operari - insofern sei er irrthümlich -, in Wahrheit aber auf das esse, welches die That eines freien Willens, die Grundursache der Existenz eines Individuums, sei; der Mensch werde Das, was er werden wolle, sein Wollen sei früher, als seine Existenz. - Hier wird der Feh...
2,402
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9,950
Dächte man sich aber einen Menschen von achtzigtausend Jahren, so hätte man an ihm sogar einen absolut veränderlichen Charakter: so dass eine Fülle verschiedener Individuen sich nach und nach aus ihm entwickelte. Die Kürze des menschlichen Lebens verleitet zu manchen irrthümlichen Behauptungen über die Eigenschaften de...
2,700
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9,950
Ohne die Genugthuung der Dankbarkeit zu haben, würde der Mächtige sich unmächtig gezeigt haben und fürderhin dafür gelten. Desshalb stellt jede Gesellschaft der Guten, das heisst ursprünglich der Mächtigen, die Dankbarkeit unter die ersten Pflichten. - Swift hat den Satz hingeworfen, dass Menschen in dem selben Verhält...
2,533
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9,950
- Unsere jetzige Sittlichkeit ist auf dem Boden der herrschenden Stämme und Kasten aufgewachsen. 46. Mitleiden stärker als Leiden. - Es giebt Fälle, wo das Mitleiden stärker ist, als das eigentliche Leiden. Wir empfinden es zum Beispiel schmerzlicher, wenn einer unserer Freunde sich etwas Schmähliches zu Schulden komme...
2,603
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