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|---|---|---|---|---|---|---|
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Aber man pflegt
sie geringzuschätzen, und in der That: es ist nicht gerade viel
Unegoistisches daran. Die Summe dieser geringen Dosen ist trotzdem
gewaltig, ihre gesammte Kraft gehört zu den stärksten Kräften. -
Ebenso findet man viel mehr Glück in der Welt, als trübe Augen sehen:
wenn man nämlich richtig rechnet, und ... | 2,369 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_300 | 364 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Somit ist der Durst nach Mitleid ein Durst nach
Selbstgenuss, und zwar auf Unkosten der Mitmenschen; es zeigt den
Menschen in der ganzen Rücksichtslosigkeit seines eigensten lieben
Selbst: nicht aber gerade in seiner "Dummheit", wie La Rochefoucauld
meint. - Im Zwiegespräche der Gesellschaft werden Dreiviertel aller
Fr... | 2,332 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_301 | 363 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Der, welcher immer
die Maske freundlicher Mienen trägt, muss zuletzt eine Gewalt über
wohlwollende Stimmungen bekommen, ohne welche der Ausdruck der
Freundlichkeit nicht zu erzwingen ist, - und zuletzt wieder bekommen
diese über ihn Gewalt, er ist wohlwollend. 52. Der Punct der Ehrlichkeit beim Betruge. - Bei allen gro... | 2,412 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_302 | 360 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | (Wesshalb Swift sagt: wer eine
Lüge berichtet, merkt selten die schwere Last, die er übernimmt; er
muss nämlich, um eine Lüge zu behaupten, zwanzig andere erfinden.)
Sodann: weil es in schlichten Verhältnissen vortheilhaft ist, direct
zu sagen: ich will diess, ich habe diess gethan, und dergleichen;
also weil der Weg d... | 2,648 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_303 | 398 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Um uns zu begreifen,
müssen wir sie begreifen; um aber dann höher zu steigen, müssen wir
über sie hinwegsteigen. Wir erkennen dann, dass es keine Sünden im
metaphysischen Sinne giebt; aber, im gleichen Sinne, auch keine
Tugenden; dass dieses ganze Bereich sittlicher Vorstellungen
fortwährend im Schwanken ist, dass es h... | 2,632 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_304 | 399 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Was man versprechen kann. - Man kann Handlungen versprechen, aber
keine Empfindungen; denn diese sind unwillkürlich. Wer jemandem
verspricht, ihn immer zu lieben oder immer zu hassen oder ihm immer
treu zu sein, verspricht Etwas, das nicht in seiner Macht steht; wohl
aber kann er solche Handlungen versprechen, welche z... | 2,528 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_305 | 386 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Die
Leidenschaft will nicht warten; das Tragische im Leben grosser Männer
liegt häufig nicht in ihrem Conflicte mit der Zeit und der Niedrigkeit
ihrer Mitmenschen, sondern in ihrer Unfähigkeit, ein Jahr, zwei
Jahre ihr Werk zu verschieben; sie können nicht warten. - Bei allen
Duellen haben die zurathenden Freunde das E... | 2,378 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_306 | 365 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Er erregte erst Anstoss, dann Verdacht,
wurde allmählich geradezu verfehmt und in die Acht der Gesellschaft
erklärt, bis endlich die Justiz sich eines so verworfenen Wesens
erinnerte, bei Gelegenheiten, wo sie sonst kein Auge hatte, oder
dasselbe zudrückte. Der Mangel an Schweigsamkeit über das allgemeine
Geheimniss un... | 2,536 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_307 | 393 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | Sie ist unparteiisch
wie der Regen, welcher, nach der Bibel und der Erfahrung, nicht nur
den Ungerechten, sondern unter Umständen auch den Gerechten bis auf
die Haut nass macht. 70. Hinrichtung. - Wie kommt es, dass jede Hinrichtung uns mehr
beleidigt, als ein Mord? Es ist die Kälte der Richter, die peinliche
Vorbereit... | 2,456 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_308 | 393 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | - In einer Partei gab es einen Menschen,
der zu ängstlich und feige war, um je seinen Kameraden zu
widersprechen: man brauchte ihn zu jedem Dienst, man erlangte von ihm
Alles, weil er sich vor der schlechten Meinung bei seinen Gesellen
mehr als vor dem Tode fürchtete; es war eine erbärmliche schwache
Seele. Sie erkannt... | 2,306 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_309 | 367 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | - Wie arm wäre der menschliche Geist ohne die
Eitelkeit! So aber gleicht er einem wohlgefüllten und immer neu sich
füllenden Waarenmagazin, welches Käufer jeder Art anlockt: Alles fast
können sie finden, Alles haben, vorausgesetzt, dass sie die gültige
Münzsorte (Bewunderung) mit sich bringen. 80. Greis und Tod.- Abges... | 2,273 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_310 | 353 |
7207-8-2 | Gutenberg | 9,950 | So ist es kein Zeichen von Schlechtigkeit
bei Xerxes (den selbst alle Griechen als hervorragend edel schildern),
wenn er dem Vater seinen Sohn nimmt und ihn zerstückeln lässt,
weil dieser ein ängstliches, ominöses Misstrauen gegen den ganzen
Heerzug geäussert hatte: der Einzelne wird in diesem Falle wie ein
unangenehme... | 2,468 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_311 | 379 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | - Die Gerechtigkeit (Billigkeit) nimmt
ihren Ursprung unter ungefähr gleich Mächtigen, wie diess Thukydides
(in dem furchtbaren Gespräche der athenischen und melischen Gesandten)
richtig begriffen hat; wo es keine deutlich erkennbare Uebergewalt
giebt und ein Kampf zum erfolglosen, gegenseitigen Schädigen würde, da
ent... | 2,825 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_312 | 391 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | In dieser Hinsicht hat auch der Schwächere noch
Rechte, aber geringere. Daher das berühmte unusquisque tantum juris
habet, quantum potentia valet (oder genauer: quantum potentia valere
creditur). 94. Die drei Phasen der bisherigen Moralität. - Es ist das erste Zeichen,
dass das Thier Mensch geworden ist, wenn sein Hand... | 2,653 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_313 | 394 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Auch jetzt wollen wir für unsere Mitmenschen arbeiten,
aber nur so weit, als wir unsern eigenen höchsten Vortheil in dieser
Arbeit finden, nicht mehr, nicht weniger. Es kommt nur darauf an, was
man als seinen Vortheil versteht; gerade das unreife, unentwickelte,
rohe Individuum wird ihn auch am rohesten verstehen. 96. ... | 2,600 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_314 | 390 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | - Eine wichtige Gattung der Lust und damit
der Quelle der Moralität entsteht aus der Gewohnheit. Man thut das
Gewohnte leichter, besser, also lieber, man empfindet dabei eine Lust,
und weiss aus der Erfahrung, dass das Gewohnte sich bewährt hat, also
nützlich ist; eine Sitte, mit der sich leben lässt, ist als heilsam,
... | 2,462 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_315 | 373 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Die Lustempfindung auf Grund menschlicher
Beziehungen macht im Allgemeinen den Menschen besser; die gemeinsame
Freude, die Lust mitsammen genossen, erhöht dieselbe, sie giebt dem
Einzelnen Sicherheit, macht ihn gutmüthiger, löst das Misstrauen, den
Neid: denn man fühlt sich selber wohl und sieht den Andern in gleicher
... | 2,465 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_316 | 370 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Es kann erst dann der Boden für alle Moralität
zurecht gemacht werden, wenn ein grösseres Individuum oder ein
Collectiv-Individuum, zum Beispiel die Gesellschaft, der Staat, die
Einzelnen unterwirft, also aus ihrer Vereinzelung herauszieht und in
einen Verband einordnet. Der Moralität geht der Zwang voraus, ja sie
selb... | 2,458 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_317 | 363 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Wer darf dem Genfer Calvin die Verbrennung des Arztes Servet
vorwerfen? Es war eine consequente aus seinen Ueberzeugungen
fliessende Handlung, und ebenso hatte die Inquisition ein gutes
Recht; nur waren die herrschenden Ansichten falsch und ergaben eine
Consequenz, welche uns hart erscheint, weil uns jene Ansichten
fre... | 2,612 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_318 | 394 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Alle Moral lässt absichtliches Schadenthun
gelten bei Nothwehr: das heisst wenn es sich um die Selbsterhaltung
handelt! Aber diese beiden Gesichtspuncte genügen, um alle bösen
Handlungen gegen Menschen, von Menschen ausgeübt, zu erklären: man
will für sich Lust oder will Unlust abwehren; in irgend einem Sinne
handelt e... | 2,408 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_319 | 381 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Steht uns
überdiess eine leidende Person sehr nahe, so nehmen durch Ausübung
mitleidvoller Handlungen uns selbst ein Leid ab. - Abgesehen von
einigen Philosophen, so haben die Menschen das Mitleid, in der
Rangfolge moralischer Empfindungen immer ziemlich tief gestellt: mit
Recht. 104. Nothwehr.- Wenn man überhaupt die ... | 2,503 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_320 | 382 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Ob der Einzelne
diesen Kampf so kämpft, dass die Menschen ihn gut, oder so, dass sie
ihn böse nennen, darüber entscheidet das Maass und die Beschaffenheit
seines Intellects. 105. Die belohnende Gerechtigkeit. - Wer vollständig die Lehre von der
völligen Unverantwortlichkeit begriffen hat, der kann die sogenannte
strafe... | 2,646 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_321 | 399 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | - Die völlige Unverantwortlichkeit
des Menschen für sein Handeln und sein Wesen ist der bitterste
Tropfen, welchen der Erkennende schlucken muss, wenn er gewohnt war,
in der Verantwortlichkeit und der Pflicht den Adelsbrief seines
Menschenthums zu sehen. Alle seine Schätzungen, Auszeichnungen,
Abneigungen sind dadurch ... | 2,348 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_322 | 352 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Ja,
in einem bestimmten Sinne sind auch jetzt noch alle Handlungen dumm,
denn der höchste Grad von menschlicher Intelligenz, der jetzt erreicht
werden kann, wird sicherlich noch überboten werden: und dann wird,
bei einem Rückblick, all unser Handeln und Urtheilen so beschränkt
und übereilt erscheinen, wie uns jetzt das... | 2,677 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_323 | 394 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Der doppelte Kampf gegen das Uebel. -Wenn uns ein Uebel trifft, so
kann man entweder so über dasselbe hinwegkommen, dass man seine
Ursache hebt, oder so, dass man die Wirkung, welche es auf unsere
Empfindung macht, verändert: also durch ein Umdeuten des Uebels in
ein Gut, dessen Nutzen vielleicht erst später ersichtlic... | 2,607 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_324 | 396 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Gegen solche Sorgen hilft kein Mittel besser, als den feierlichen
Leichtsinn Horazens, wenigstens für die schlimmsten Stunden und
Sonnenfinsternisse der Seele, heraufzubeschwören und mit ihm zu sich
selber zu sagen:
quid aeternis minorem
consiliis animum fatigas? cur non sub alta vel platano vel hac
pinu j... | 2,679 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_325 | 397 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Er selbst war darin ein
nur zu folgsamer Schüler der wissenschaftlichen Lehrer seiner Zeit,
welche allesammt der Romantik huldigten und dem Geiste der Aufklärung
abgeschworen hatten; in unsere jetzige Zeit hineingeboren, würde er
unmöglich vom sensus allegoricus der Religion haben reden können; er
würde vielmehr der Wa... | 2,594 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_326 | 360 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | - Uebrigens: wenn alle Völker über gewisse religiöse
Dinge, zum Beispiel die Existenz eines Gottes, übereinstimmten (was,
beiläufig gesagt, in Betreff dieses Punctes nicht der Fall ist), so
würde diess doch eben nur ein Gegenargument gegen jene behaupteten
Dinge, zum Beispiel die Existenz eines Gottes sein: der consens... | 2,342 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_327 | 361 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | In Indien pflegt (nach Lubbock) ein Tischler seinem
Hammer, seinem Beil und den übrigen Werkzeugen Opfer darzubringen;
ein Brahmane behandelt den Stift, mit dem er schreibt, ein Soldat die
Waffen, die er im Felde braucht, ein Maurer seine Kelle, ein Arbeiter
seinen Pflug in gleicher Weise. Die ganze Natur ist in der Vo... | 2,136 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_328 | 326 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Wie kann man einen Einfluss auf
diese furchtbaren Unbekannten ausüben, wie kann man das Reich der
Freiheit binden? so fragt er sich, so forscht er ängstlich: giebt
es denn keine Mittel, jene Mächte ebenso durch ein Herkommen und
Gesetz regelmässig zu machen, wie du selber regelmässig bist? - Das
Nachdenken der magie- u... | 2,431 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_329 | 376 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Ein Stein, der plötzlich
rollt, ist der Leib, in welchem ein Geist wirkt; liegt auf einsamer
Haide ein Block, erscheint es unmöglich, an Menschenkraft zu denken,
die ihn hierher gebracht habe, so muss also der Stein sich selbst
hinbewegt haben, das heisst: er muss einen Geist beherbergen. Alles,
was einen Leib hat, ist... | 2,334 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_330 | 347 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Der Mensch steht auch in
sehr niederen Culturstufen nicht der Natur als ohnmächtiger Sclave
gegenüber, er ist nicht nothwendig der willenlose Knecht derselben:
auf der griechischen Stufe der Religion, besonders im Verhalten zu den
olympischen Göttern, ist sogar an ein Zusammenleben von zwei Kasten,
einer vornehmeren, m... | 2,623 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_331 | 395 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Sie sahen gleichsam nur das Spiegelbild der
gelungensten Exemplare ihrer eigenen Kaste, also ein Ideal, keinen
Gegensatz des eigenen Wesens. Man fühlt sich mit einander verwandt, es
besteht ein gegenseitiges Interesse, eine Art Symmachie. Der Mensch
denkt vornehm von sich, wenn er sich solche Götter giebt, und stellt
s... | 2,603 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_332 | 378 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Vorausgesetzt,
dass überhaupt geglaubt wird, so ist der Alltags-Christ eine
erbärmliche Figur, ein Mensch, der wirklich nicht bis drei
zählen kann, und der übrigens, gerade wegen seiner geistigen
Unzurechnungsfähigkeit, es nicht verdiente, so hart bestraft zu
werden, als das Christenthum ihm verheisst. 117. Von der Klu... | 2,471 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_333 | 387 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Ohne die
blinden Schüler ist noch nie der Einfluss eines Mannes und seines
Werkes gross geworden. Einer Erkenntniss zum Siege verhelfen heisst
oft nur: sie so mit der Dummheit verschwistern, dass das Schwergewicht
der letzteren auch den Sieg für die erstere erzwingt. 123. Abbruch der Kirchen. - Es ist nicht genug an Re... | 2,509 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_334 | 382 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | - Weil man bemerkte, dass eine Erregung
häufig den Kopf heller machte und glückliche Einfälle hervorrief, so
meinte man, durch die höchsten Erregungen werde man der glücklichsten
Einfälle und Eingebungen theilhaftig: und so verehrte man den
Wahnsinnigen als den Weisen und Orakelgebenden. Hier liegt ein
falscher Schluss... | 2,639 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_335 | 387 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Daran bemerkt man, wie die weniger
bedachtsamen Freigeister eigentlich nur an den Dogmen Anstoss nehmen,
aber recht wohl den Zauber der religiösen Empfindung kennen; es thut
ihnen wehe, letztere fahren zu lassen, um der ersteren willen. -
Die wissenschaftliche Philosophie muss sehr auf der Hut sein, nicht
auf Grund jen... | 2,594 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_336 | 374 |
7207-8-3 | Gutenberg | 9,999 | Wie
gerne versuchte er sich in jener anderen Gattung von Handlungen,
welche in der allgemeinen Schätzung als die obersten und höchsten
anerkannt sind, wie gerne fühlte er sich voll des guten Bewusstseins,
welches einer selbstlosen Denkweise folgen soll! Leider aber bleibt es
eben bei diesem Wunsche: die Unzufriedenheit... | 2,489 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_337 | 366 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Sollte aber ein Mensch wünschen, ganz wie
jener Gott, Liebe zu sein, Alles für Andere, Nichts für sich zu thun,
zu wollen, so ist letzteres schon desshalb unmöglich, weil er sehr
viel für sich thun muss, um überhaupt Anderen Etwas zu Liebe thun zu
können. Sodann setzt es voraus, dass der Andere Egoist genug ist, um
jen... | 2,240 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_338 | 336 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Ist nun der Christ, wie gesagt, durch einige Irrthümer in das
Gefühl der Selbstverachtung gerathen, also durch eine falsche
unwissenschaftliche Auslegung seiner Handlungen und Empfindungen,
so muss er mit höchstem Erstaunen bemerken, wie jener Zustand der
Verachtung, der Gewissensbisse, der Unlust überhaupt, nicht anhä... | 2,625 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_339 | 388 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Freilich gelang es ihr bis jetzt nicht: jene Erscheinungen
sind immer noch unerklärt, zum grossen Vergnügen der erwähnten
Verehrer des moralisch-Wunderbaren. Denn, allgemein gesprochen: das
Unerklärte soll durchaus unerklärlich, das Unerklärliche durchaus
unnatürlich, übernatürlich, wunderhaft sein, - so lautet die For... | 2,700 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_340 | 391 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | In jeder asketischen Moral betet der Mensch
einen Theil von sich als Gott an und hat dazu nöthig, den übrigen
Theil zu diabolisiren. -
138. Der Mensch ist nicht zu allen Stunden gleich moralisch, diess ist
bekannt: beurtheilt man seine Moralität nach der Fähigkeit zu grosser
aufopfernder Entschliessung und Selbstverl... | 2,411 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_341 | 360 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | In mancher Hinsicht sucht sich auch der Asket das Leben leicht zu
machen, und zwar gewöhnlich durch die vollkommene Unterordnung unter
einen fremden Willen oder unter ein umfängliches Gesetz und Ritual;
etwa in der Art, wie der Brahmane durchaus Nichts seiner eigenen
Bestimmung überlässt und sich in jeder Minute durch ... | 2,449 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_342 | 366 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Namentlich nützt er seinen Hang zur
Eitelkeit, Ehr- und Herrschsucht, sodann seine sinnlichen Begierden
aus, um sein Leben wie eine fortgesetzte Schlacht und sich wie ein
Schlachtfeld ansehen zu dürfen, auf dem gute und böse Geister mit
wechselndem Erfolge ringen. Bekanntlich wird die sinnliche Phantasie
durch die Rege... | 2,870 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_343 | 399 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Wenn dieser Feind endlich, in Folge ihrer Lebensweise
und ihrer zerstörten Gesundheit, die Flucht für immer ergriff, so
verstanden sie es sofort, ihr Inneres mit neuen Dämonen bevölkert zu
sehen. Das Auf- und Niederschwanken der Wagschalen Hochmuth und Demuth
unterhielt ihre grübelnden Köpfe so gut, wie der Wechsel von... | 2,240 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_344 | 335 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Wenn dem Menschen diess Gefühl nicht
angenehm gewesen wäre, - wozu hätte er eine solche Vorstellung erzeugt
und sich so lange an sie gehängt? Wie in der antiken Welt eine
unermessliche Kraft von Geist und Erfindungsgabe verwendet worden ist,
um die Freude am Leben durch festliche Culte zu mehren: so ist in der
Zeit des... | 2,291 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_345 | 336 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Bald übt der
Heilige jenen Trotz gegen sich selbst, der ein naher Verwandter der
Herrschsucht ist und auch dem Einsamsten noch das Gefühl der Macht
giebt; bald springt seine angeschwellte Empfindung aus dem Verlangen,
seine Leidenschaften dahinschiessen zu lassen, über in das Verlangen,
sie wie wilde Rosse zusammenstür... | 2,657 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_346 | 379 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Er war kein besonders guter
Mensch, noch weniger ein besonders weiser Mensch: aber er bedeutete
Etwas, das über menschliches Maass in Güte und Weisheit hinausreiche. Der Glaube an ihn unterstützte den Glauben an Göttliches und
Wunderhaftes, an einen religiösen Sinn alles Daseins, an einen
bevorstehenden letzten Tag des... | 2,573 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_347 | 369 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Es
ist uns beinahe noch so zu Muthe (zum Beispiel in einem griechischen
Tempel wie der von Pästum), als ob eines Morgens ein Gott spielend aus
solchen ungeheuren Lasten sein Wohnhaus gebaut habe: anderemale als
ob eine Seele urplötzlich in einen Stein hineingezaubert sei und
nun durch ihn reden wolle. Der Künstler weis... | 2,368 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_348 | 356 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Nun muss man wegen dieses allgemeinen Nutzens
der Kunst dem Künstler selber es nachsehen, wenn er nicht in
den vordersten Reihen der Aufklärung und der fortschreitenden
Vermännlichung der Menschheit steht: er ist zeitlebens ein Kind oder
ein Jüngling geblieben und auf dem Standpunct zurückgehalten, auf
welchem er von s... | 2,540 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_349 | 376 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Der zum Strome
angewachsene Reichthum des religiösen Gefühls bricht immer wieder aus
und will sich neue Reiche erobern: aber die wachsende Aufklärung hat
die Dogmen der Religion erschüttert und ein gründliches Misstrauen
eingeflösst: so wirft sich das Gefühl, durch die Aufklärung aus der
religiösen Sphäre hinausgedräng... | 2,546 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_350 | 387 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | - Die Leichtigkeit und Leichtfertigkeit der
homerischen Phantasie war nöthig, um das übermässig leidenschaftliche
Gemüth und den überscharfen Verstand des Griechen zu beschwichtigen
und zeitweilig aufzuheben. Spricht bei ihnen der Verstand: wie herbe
und grausam erscheint dann das Leben! Sie täuschen sich nicht, aber
s... | 2,695 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_351 | 393 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Die Leiden des Genius' und ihr Werth. - Der künstlerische Genius will
Freude machen, aber wenn er auf einer sehr hohen Stufe steht, so
fehlen ihm leicht die Geniessenden; er bietet Speisen, aber man will
sie nicht. Das giebt ihm ein unter Umständen lächerlich-rührendes
Pathos; denn im Grunde hat er kein Recht, die Mens... | 2,578 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_352 | 393 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | - Wenn die Kunst ein Individuum
gewaltig ergreift, dann zieht es dasselbe zu Anschauungen solcher
Zeiten zurück, wo die Kunst am kräftigsten blühte, sie wirkt dann
zurückbildend. Der Künstler kommt immer mehr in eine Verehrung der
plötzlichen Erregungen, glaubt an Götter und Dämonen, durchseelt die
Natur, hasst die Wis... | 2,610 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_353 | 374 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Sie
sind also leicht bereit, das Phantasma als wirklichen, nothwendigen
Menschen zu behandeln, weil sie gewöhnt sind, beim wirklichen Menschen
ein Phantasma, einen Schattenriss, eine willkürliche Abbreviatur für
das Ganze zu nehmen. - Dass gar der Maler und der Bildhauer die "Idee"
des Menschen ausdrücke, ist eitel Pha... | 2,456 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_354 | 378 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | So
fördert unsere Eitelkeit, unsere Selbstliebe, den Cultus des Genius':
denn nur wenn dieser ganz fern von uns gedacht ist, als ein miraculum,
verletzt er nicht (selbst Goethe, der Neidlose, nannte Shakespeare
seinen Stern der fernsten Höhe; wobei man sich jenes Verses
erinnern mag: "die Sterne, die begehrt man nicht"... | 2,348 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_355 | 349 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Aber sie bekamen Grösse, wurden "Genie's" (wie man
sagt), durch Eigenschaften, von deren Mangel Niemand gern redet,
der sich ihrer bewusst ist: sie hatten Alle jenen tüchtigen
Handwerker-Ernst, welcher erst lernt, die Theile vollkommen zu bilden,
bis er es wagt, ein grosses Ganzes zu machen; sie gaben sich Zeit
dazu, w... | 2,545 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_356 | 381 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Man
schreibt ihnen wohl einen unmittelbaren Blick in das Wesen der Welt,
gleichsam durch ein Loch im Mantel der Erscheinung, zu und glaubt,
dass sie ohne die Mühsal und Strenge der Wissenschaft, vermöge dieses
wunderbaren Seherblickes, etwas Endgültiges und Entscheidendes über
Mensch und Welt mittheilen könnten. So lan... | 2,610 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_357 | 384 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Ja, es erhebt und
begeistert die Menschen, jemanden im Besitz übernatürlicher Kräfte
zu glauben: insofern hat der Wahnsinn, wie Plato sagt, die grössten
Segnungen über die Menschen gebracht. - In einzelnen seltenen Fällen
mag dieses Stück Wahnsinn wohl auch das Mittel gewesen sein, durch
welches eine solche nach allen ... | 2,246 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_358 | 339 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | - Wenn das selbe Motiv nicht
hundertfältig durch verschiedene Meister behandelt wird, lernt das
Publicum nicht über das Interesse des Stoffes hinauskommen; aber
zuletzt wird es selbst die Nuancen, die zarten, neuen Erfindungen in
der Behandlung dieses Motives fassen und geniessen, wenn es also das
Motiv längst aus zahl... | 2,519 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_359 | 384 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Nun verlangte dieser Ehrgeiz vor Allem, dass ihr
Werk die höchste Vortrefflichkeit vor ihren eigenen Augen erhalte,
sowie sie also die Vortrefflichkeit verstanden, ohne Rücksicht auf
einen herrschenden Geschmack und die allgemeine Meinung über das
Vortreffliche an einem Kunstwerk; und so blieben Aeschylus und
Euripides... | 2,435 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_360 | 364 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | - Es giebt schlimme Zufälligkeiten im Leben
grosser Künstler, welche zum Beispiel den Maler zwingen, sein
bedeutendstes Bild nur als flüchtigen Gedanken zu skizziren oder zum
Beispiel Beethoven zwangen, uns in manchen grossen Sonaten (wie in der
grossen B-dur) nur den ungenügenden Clavierauszug einer Symphonie zu
hinte... | 2,577 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_361 | 378 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | Die Geige in
der Hand des grössten Meisters giebt nur ein Gezirp von sich, wenn
der Raum zu gross ist; man kann da den Meister mit jedem Stümper
verwechseln. 178. Das Unvollständige als das Wirksame. - Wie Relieffiguren dadurch so
stark auf die Phantasie wirken, dass sie gleichsam auf dem Wege sind,
aus der Wand heraus... | 2,431 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_362 | 382 |
7207-8-4 | Gutenberg | 9,982 | - Der Dichter führt seine Gedanken festlich
daher, auf dem Wagen des Rhythmus': gewöhnlich desshalb, weil diese zu
Fuss nicht gehen können. 190. Sünde wider den Geist des Lesers. - Wenn der Autor sein Talent
verleugnet, blos um sich dem Leser gleich zu stellen, so begeht er die
einzige Todsünde, welche ihm Jener nie ve... | 2,685 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_363 | 394 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Diese
Rücksicht auf das rhythmische Unvermögen der jetzigen Leser hat schon
manche Seufzer entlockt, denn ihr ist viel schon zum Opfer gefallen. -
Ob es guten Musikern nicht ähnlich ergeht? 199. Das Unvollständige als künstlerisches Reizmittel. - Das Unvollständige
ist oft wirksamer als die Vollständigkeit, so nament... | 2,289 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_364 | 345 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Der Leser und der Autor verstehen sich häufig
desshalb nicht, weil der Autor sein Thema zu gut kennt und es beinahe
langweilig findet, so dass er sich die Beispiele erlässt, die er zu
Hunderten weiss; der Leser aber ist der Sache fremd und findet sie
leicht schlecht begründet, wenn ihm die Beispiele vorenthalten werd... | 2,706 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_365 | 398 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Nicht fertig gewordene Gedanken. - Ebenso wie nicht nur das
Mannesalter, sondern auch Jugend und Kindheit einen Werth an sich
haben und gar nicht nur als Durchgänge und Brücken zu schätzen sind,
so haben auch die nicht fertig gewordenen Gedanken ihren Werth. Man
muss desshalb einen Dichter nicht mit subtiler Auslegung ... | 2,435 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_366 | 389 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Der Denker und ebenso der Künstler, welcher sein
besseres Selbst in Werke geflüchtet hat, empfindet eine fast boshafte
Freude, wenn er sieht, wie sein Leib und Geist langsam von der Zeit
angebrochen und zerstört werden, als ob er aus einem Winkel einen Dieb
an seinem Geldschranke arbeiten sähe, während er weiss, dass... | 2,600 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_367 | 392 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Es wäre möglich, dass Mitleid und Furcht
in jedem einzelnen Falle durch die Tragödie gemildert und entladen
würden: trotzdem könnten sie im Ganzen durch die tragische Einwirkung
überhaupt grösser werden, und Plato behielte doch Recht, wenn er
meint, dass man durch die Tragödie insgesammt ängstlicher und
rührseliger wer... | 2,504 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_368 | 370 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Die Musik ist nicht an und für sich so bedeutungsvoll für
unser Inneres, so tief erregend, dass sie als unmittelbare Sprache des
Gefühls gelten dürfte; sondern ihre uralte Verbindung mit der Poesie
hat so viel Symbolik in die rhythmische Bewegung, in Stärke und
Schwäche des Tones gelegt, dass wir jetzt wähnen, sie sp... | 2,752 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_369 | 395 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Sobald man sich in Gebärden verstand, konnte wiederum eine
Symbolik der Gebärde entstehen: ich meine, man konnte über eine
Tonzeichensprache sich verständigen, so zwar, dass man zuerst Ton
und Gebärde (zu der er symbolisch hinzutrat), später nur den Ton
hervorbrachte. - Es scheint sich da in früher Zeit das Selbe oft... | 2,399 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_370 | 356 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Was ist von alledem die
Consequenz? je gedankenfähiger Auge und Ohr werden, um so mehr kommen
sie an die Gränze, wo sie unsinnlich werden: die Freude wird in's
Gehirn verlegt, die Sinnesorgane selbst werden stumpf und schwach, das
Symbolische tritt immer mehr an Stelle des Seienden, - und so gelangen
wir auf diesem W... | 2,321 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_371 | 352 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Die seelenvolle Musik entsteht
in dem wiederhergestellten Katholicismus nach dem tridentinischen
Concil, durch Palestrina, welcher dem neu erwachten innigen und
tief bewegten Geiste zum Klange verhalf; später, mit Bach, auch im
Protestantismus, soweit dieser durch die Pietisten vertieft und von
seinem ursprünglich do... | 2,475 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_372 | 360 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Nimmt nun der Glaube an eine solche
Wahrheit überhaupt ab, verblassen die Regenbogenfarben um die
äussersten Enden des menschlichen Erkennens und Wähnens: so kann
jene Gattung von Kunst nie wieder aufblühen, welche, wie die divina
commedia, die Bilder Rafael's, die Fresken Michelangelo's, die
gothischen Münster, nicht ... | 2,502 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_373 | 361 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Den Franzosen selber fehlten nach Voltaire auf
einmal die grossen Talente, welche die Entwickelung der Tragödie aus
dem Zwange zu jenem Scheine der Freiheit fortgeführt hätten; sie
machten später nach deutschem Vorbilde auch den Sprung in eine Art von
Rousseau'schem Naturzustand der Kunst und experimentirten. Man lese
... | 2,126 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_374 | 303 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Aber
auf wie lange noch? Die hereinbrechende Fluth von Poesien aller Stile
aller Völker muss ja allmählich das Erdreich hinwegschwemmen, auf dem
ein stilles verborgenes Wachsthum noch möglich gewesen wäre; alle
Dichter müssen ja experimentirende Nachahmer, wagehalsige Copisten
werden, mag ihre Kraft von Anbeginn noch s... | 1,745 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_375 | 255 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Wir folgen
Alle einem innerlich falschen revolutionären System, - unsere oder die
nächste Generation wird noch zu der selben Ueberzeugung gelangen." Es
ist diess der selbe Byron, welcher sagt: "Ich betrachte Shakespeare
als das schlechteste Vorbild, wenn auch als den ausserordentlichsten
Dichter." Und sagt im Grunde Go... | 2,542 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_376 | 368 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Es ist wahr, bei gewissen
metaphysischen Voraussetzungen hat die Kunst viel grösseren Werth,
zum Beispiel wenn der Glaube gilt, dass der Charakter unveränderlich
sei und das Wesen der Welt sich in allen Charakteren und Handlungen
fortwährend ausspreche: da wird das Werk des Künstlers zum Bild des
ewig Beharrenden, wä... | 2,612 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_377 | 393 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Man denke an jene griechische Stadt in Unteritalien, welche
an Einem Tage des Jahres noch ihre griechischen Feste feierte, unter
Wehmuth und Thränen darüber, dass immer mehr die ausländische Barbarei
über ihre mitgebrachten Sitten triumphire; niemals hat man wohl das
Hellenische so genossen, nirgendswo diesen goldenen ... | 2,608 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_378 | 376 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Etwas Aehnliches
ergiebt sich für den einzelnen Menschen; selten ist eine Entartung,
eine Verstümmelung, selbst ein Laster und überhaupt eine körperliche
oder sittliche Einbusse ohne einen Vortheil auf einer anderen Seite. Der kränkere Mensch zum Beispiel wird vielleicht, inmitten eines
kriegerischen und unruhigen St... | 2,590 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_379 | 380 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Er ist die Ausnahme, die gebundenen Geister
sind die Regel; diese werfen ihm vor, dass seine freien Grundsätze
ihren Ursprung entweder in der Sucht, aufzufallen, haben oder gar auf
freie Handlungen, das heisst auf solche, welche mit der gebundenen
Moral unvereinbar sind, schliessen lassen. Bisweilen sagt man auch,
dies... | 2,428 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_380 | 378 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Man
nöthige zum Beispiel einen gebundenen Geist, seine Gründe gegen die
Bigamie vorzubringen, dann wird man erfahren, ob sein heiliger Eifer
für die Monogamie auf Gründen oder auf Angewöhnung beruht. Angewöhnung
geistiger Grundsätze ohne Gründe nennt man Glauben. 227. Aus den Folgen auf Grund und Ungrund zurückgeschlos... | 2,543 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_381 | 396 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Wenige Motive, energisches
Handeln und gutes Gewissen machen Das aus, was man Charakterstärke
nennt. Dem Charakterstarken fehlt die Kenntniss der vielen
Möglichkeiten und Richtungen des Handelns; sein Intellect ist unfrei,
gebunden, weil er ihm in einem gegebenen Falle vielleicht nur zwei
Möglichkeiten zeigt; zwischen ... | 2,481 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_382 | 374 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Welche Mittel giebt es nun, um ihn doch verhältnissmässig stark zu
machen, so dass er sich wenigstens durchsetzt und nicht wirkungslos zu
Grunde geht? Wie entsteht der starke Geist (esprit fort)? Es ist diess
in einem einzelnen Falle die Frage nach der Erzeugung des Genius'. Woher kommt die Energie, die unbeugsame Kraf... | 2,093 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_383 | 317 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Im Allgemeinen scheint die Geschichte
über die Erzeugung des Genius' folgende Belehrung zu geben:
misshandelt und quält die Menschen, - so ruft sie den Leidenschaften
Neid, Hass und Wetteifer zu - treibt sie zum Aeussersten, den Einen
wider den Andern, das Volk gegen das Volk, und zwar durch Jahrhunderte
hindurch, da... | 2,597 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_384 | 399 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Diese würden dann jedenfalls mit Sehnsucht
rückwärts schauen, nach den Zeiten des unvollkommenen Staates, der
halb-barbarischen Gesellschaft nach unseren Zeiten. 235. Genius und idealer Staat in Widerspruch. - Die Socialisten begehren
für möglichst Viele ein Wohlleben herzustellen. Wenn die dauernde
Heimath dieses Wohl... | 2,596 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_385 | 381 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | - Man kann gleichnissweise sagen, dass
die Zeitalter der Cultur den Gürteln der verschiedenen Klimate
entsprechen, nur dass diese hinter einander und nicht, wie die
geographischen Zonen, neben einander liegen. Im Vergleich mit der
gemässigten Zone der Cultur, in welche überzugehen unsere Aufgabe
ist, macht die vergange... | 2,815 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_386 | 391 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Es war das goldene Zeitalter dieses
Jahrtausends, trotz aller Flecken und Laster. Dagegen hebt sich
nun die deutsche Reformation ab als ein energischer Protest
zurückgebliebener Geister, welche die Weltanschauung des Mittelalters
noch keineswegs satt hatten und die Zeichen seiner Auflösung, die
ausserordentliche Verfla... | 2,567 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_387 | 363 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Nur wer, wie
Schopenhauer, die Entwickelung leugnet, fühlt auch Nichts von dem
Elend dieses historischen Wellenschlags und darf desshalb, weil er von
jenem werdenden Gotte und dem Bedürfniss seiner Annahme Nichts weiss,
Nichts fühlt, billigerweise seinen Spott auslassen. 239. Die Früchte nach der Jahreszeit. - Jede bes... | 2,565 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_388 | 398 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Es ist ein Centaur, halb Thier, halb Mensch und hat noch Engelsflügel
dazu am Haupte. 242. Wunder-Erziehung. - Das Interesse in der Erziehung wird erst von dem
Augenblick an grosse Stärke bekommen, wo man den Glauben an einen Gott
und seine Fürsorge aufgiebt: ebenso wie die Heilkunst erst erblühen
konnte, als der Glaub... | 1,866 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_389 | 276 |
7207-8-5 | Gutenberg | 9,999 | Die höchste geistige Ausbildung
eines Arztes ist jetzt nicht erreicht, wenn er die besten neuesten
Methoden kennt und auf sie eingeübt ist und jene fliegenden Schlüsse
von Wirkungen auf Ursachen zu machen versteht, derentwegen die
Diagnostiker berühmt sind: er muss ausserdem eine Beredtsamkeit haben,
die sich jedem Ind... | 2,818 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_390 | 393 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | So ist es auch in der Geschichte der Menschheit;
die wildesten Kräfte brechen Bahn, zunächst zerstörend, aber trotzdem
war ihre Thätigkeit nöthig, damit später eine mildere Gesittung hier
ihr Haus aufschlage. Die schrecklichen Energien - Das, was man das
Böse nennt - sind die cyklopischen Architekten und Wegebauer der
... | 2,476 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_391 | 370 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | - Wer sich das Problem der
Cultur klar gemacht hat, leidet dann an einem ähnlichen Gefühle wie
Der, welcher einen durch unrechtmässige Mittel erworbenen Reichthum
ererbt hat, oder wie der Fürst, der durch Gewaltthat seiner Vorfahren
regiert. Er denkt mit Trauer an seinen Ursprung und ist oft beschämt,
oft reizbar. Die ... | 2,586 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_392 | 382 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | Die Vergangenheit ist noch zu mächtig in ihren Muskeln:
sie stehen noch in einer unfreien Stellung und sind zur Hälfte
weltliche Geistliche, zur Hälfte abhängige Erzieher vornehmer Leute
und Stände, und überdiess durch Pedanterie der Wissenschaft, durch
veraltete geistlose Methoden verkrüppelt und unlebendig gemacht. S... | 2,685 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_393 | 388 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | - Wesshalb ist das Erkennen, das Element des
Forschers und Philosophen, mit Lust verknüpft? Erstens und vor Allem,
weil man sich dabei seiner Kraft bewusst wird, also aus dem selben
Grunde, aus dem gymnastische Uebungen auch ohne Zuschauer lustvoll
sind. Zweitens, weil man, im Verlauf der Erkenntniss, über ältere
Vorst... | 2,574 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_394 | 390 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | Er geht zuletzt wie ein
Naturforscher unter Pflanzen, so unter Menschen herum und nimmt sich
selber als ein Phänomen wahr, welches nur seinen erkennenden Trieb
stark anregt. 255. Aberglauben im Gleichzeitigen. - Etwas Gieichzeitiges hängt zusammen,
meint man. Ein Verwandter stirbt in der Ferne, zu gleicher Zeit
träumen... | 2,391 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_395 | 360 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | - Der Genius der Cultur verfährt wie
Cellini, als dieser den Guss seiner Perseus-Statue machte: die
flüssige Masse drohte, nicht auszureichen, aber sie sollte es: so warf
er Schüsseln und Teller und was ihm sonst in die Hände kam, hinein. Und ebenso wirft jener Genius Irrthümer, Laster, Hoffnungen,
Wahnbilder und ander... | 2,587 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_396 | 392 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | - Die Menschen überschätzen
ersichtlich alles Grosse und Hervorstechende. Diess kommt aus der
bewussten oder unbewussten Einsicht her, dass sie es sehr nützlich
finden, wenn Einer alle Kraft auf Ein Gebiet wirft und aus sich
gleichsam Ein monströses Organ macht. Sicherlich ist dem Menschen
selber eine gleichmässige Aus... | 2,498 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_397 | 394 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | Plato war der fleischgewordene Wunsch, der höchste
philosophische Gesetzgeber und Staatengründer zu werden; er scheint
schrecklich an der Nichterfüllung seines Wesens gelitten zu haben, und
seine Seele wurde gegen sein Ende hin voll der schwärzesten Galle. Je
mehr das griechische Philosophenthum an Macht verlor, um so ... | 2,634 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_398 | 397 |
7207-8-6 | Gutenberg | 9,964 | Das sechste und fünfte Jahrhundert scheint aber
doch noch mehr und Höheres zu verheissen, als es selber hervorgebracht
hat; aber es blieb bei dem Verheissen und Ankündigen. Und doch giebt
es kaum einen schwereren Verlust, als den Verlust eines Typus', einer
neuen, bis dahin unentdeckt gebliebenen höchsten Möglichkeit d... | 2,554 | gutenberg_chunkingprocessed_de-00000-of-00003-f8e581c008ccc7f2_399 | 383 |
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